Betty Taube und die Badewanne
Shownotes
Wie soll man über schwierige, schmerzhafte Dinge sprechen – aus gerechnet mit den Menschen, die man am meisten liebt? Betty Taube kennt man als Model von GNTM, aber sie hat eine sehr sehr harte Vergangenheit. Mit einer alkoholkranken Mutter und einem abwesenden Vater. Natascha ist erschüttert und hört zu. Und so öffnet sich Betty und berichtet von unglaublichen Szenen aus ihrer Kindheit, die sie so noch nie erzählt hat. Bei ihrem Vater hingegen zeigt sich – es war alles doch ganz anders, als sie jahrzehntelang geglaubt hat. – Ein intensives, aufwühlendes Gespräch, bei dem Natascha oft den Tränen nahe ist.
Host: Natascha Ochsenknecht Executive Producer: Ruben Schulze-Fröhlich Redaktion: Heiko Behr Video- und Sounddesign: Felix Stäblein Titelsong: F3X feat. Viola Vitale Produktionsleitung: Miriam Aberkane
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hey Natascha, ich bin's Betsy Tauber.
00:00:02: Ich habe da eine Sache, die mich zurzeit echt beschäftigt.
00:00:06: Und zwar gibt es ein Thema, woüber ich gern mit meiner Familie sprechen würde, aber ich schaffe es einfach nicht.
00:00:12: Deshalb, wir müssen reden.
00:00:15: Bitte
00:00:15: ruf mich zurück.
00:00:16: Hallo, meine Lieben.
00:00:17: Zu Gast heute ist Betty Taube.
00:00:19: Man kennt sie aus Germany Next Topmodel, aber sie hat schon so viele andere Dinge in ihrem Leben erlebt, die nicht nur schön sind, sondern auch sehr traurig.
00:00:27: Und ich finde, sie geht damit sehr ehrlich um, macht vielen damit Mut.
00:00:32: Und ich kann euch nur sagen, ich hatte Gänsehaut und war den Tränen auch manchmal ein bisschen nahe.
00:00:36: Ich freue mich, wenn ihr dabei seid.
00:01:10: Wie Altersflecken, aber es ist fett.
00:01:12: Ja, das Fleisch war doch etwas wässrig.
00:01:14: Und dann ist es explodiert.
00:01:16: Betty, ich freue mich, dass du da bist.
00:01:17: Ich mich auch.
00:01:18: Super einstiegbar.
00:01:19: Das Flecken und Brandflecken und so weiter.
00:01:21: Ja.
00:01:22: Wichtige Themen.
00:01:23: Ja, ganz genau.
00:01:24: Und bei mir ist es ja so, beim Podcast ... Hat eine Frage, man schickt mir eine Frage.
00:01:31: Genau, ich hab dich ja gefragt, wie du damit umgehst, wenn du gerade auch in der Familie so Themen hast, die du dich aber nicht traust, anzusprechen.
00:01:38: Weil ich hab gerade so ein Ding mit meiner Oma, da steht was zwischen uns, aber ich krieg's einfach nicht hin, mit ihr dieses Gespräch zu führen oder sie darauf überhaupt erst mal anzusprechen.
00:01:47: Weil ich hab irgendwie solche Ängste in mir und solche Blockaden und ich weiß nicht, wie ich's machen soll.
00:01:52: Und ist das so bei deiner Oma so?
00:01:54: oder eher bei Menschen, die du, sagen wir mal, manchmal hat man ja so ... Freunde, gute Freunde oder Familie, wo man sagt, da habe ich eben diese Blockade bei anderen, habe ich das komischerweise nicht.
00:02:03: So ist
00:02:04: das bei mir auch.
00:02:04: Also bei manchen Leuten fällt mir das gar nicht schwer und es gibt eine Freundin, bei der es ist auch sehr extrem.
00:02:09: So, es ist allgemein schon besser geworden, aber die beiden...
00:02:12: Und was meinst du, ist das eine dominante Freundin oder die sehr schnell was persönlich nimmt?
00:02:17: Sie ist sehr dominant und stellt sich auch immer so ein bisschen besser dar.
00:02:21: Also so ein bisschen besser, also übermisch?
00:02:23: Ja, das kenne ich.
00:02:24: Und
00:02:24: es ist so dumm, weil ich denke mir so, es passiert ja nicht, wenn ich das anspreche, aber ich kriege es einfach nicht hin.
00:02:29: Und
00:02:30: bei deiner Oma ist die auch so eine, die sich so ein bisschen...
00:02:33: Bei meiner Oma ist es was ganz anderes und zwar geht es da um meine Mama.
00:02:38: Und ich spreche ja eine Öffentlichkeit über dieses Thema, dass meine Mama Alkoholikerin war und, und, und.
00:02:42: Und meine Oma kommt aus dieser Generation, wo man so was halt unter den Teppich kehrt.
00:02:46: Und sie redet nicht darüber.
00:02:48: Und jetzt, wo sie weiß, dass es öffentlich jeder irgendwie mitbekommt und die Nachbarn reden darüber und im Dorf, oh Gott, oh Gott.
00:02:54: Ähm, sie hat mir auch mal gesagt, sie möchte nicht, dass ich darüber öffentlich rede.
00:02:57: Jetzt hab ich ja mein Buch geschrieben.
00:02:59: Und das steht zwischen uns.
00:03:01: Und ich weiß, sie geht mit dem Thema so ganz anders um und sie ist auch nicht wirklich kritikfähig.
00:03:06: Und ich glaube, sie wird auch meine Sicht der Dinge nicht verstehen.
00:03:09: Wie alt ist deine Oma?
00:03:10: Meine Oma ist jetzt so'n siebzig.
00:03:12: Ja, also meine Mama ist so'n achtzig.
00:03:14: Und das ist so'n Generation, ob sie siebzig oder fünf achtzig ist ja trotzdem so ähnlich.
00:03:18: Die haben ja schon sehr viel erlebt.
00:03:20: Und ähm ... Meine Mutter ist auch so eine, die ... verdrängt vieles.
00:03:27: Schaut der Tatsache nicht ins Auge, was da war.
00:03:29: Ich denke, das ist bei deiner Oma genau das Gleiche.
00:03:32: Die sind die Meister im Verdrängen, weil sie auch so eine Generation sind, so Krieg und was danach alles auch kam.
00:03:40: Wir haben vieles überlebt und überstanden.
00:03:43: Und natürlich gibt es auch gerade in diesem Umfeld auch viele Menschen, die sich schon von der Welt verabschiedet haben.
00:03:49: Und da haben die so ein anderes Miteinander umgehen.
00:03:52: Okay, ja, also da ist z.B.
00:03:54: einer gestorben.
00:03:55: Ja, das ist halt so, und da wird dann auch ... Man redet nicht mehr drüber, und Gott, man spricht da auch nie drüber.
00:04:00: Man würde auch nie demjenigen, wenn der Mann gestorben ist, mit der Frau reden und sagen, wie geht's dir denn?
00:04:05: Das machen die nicht, die machen einfach dich so.
00:04:07: Und ich glaub auch, dass deine Oma, das war ja dann ihre Tochter praktisch, deine Mutter, da ist auch sie dieses ... Ich schäme mich.
00:04:15: Und dieses eingestehen, ja, meine Tochter hat ein Problem.
00:04:18: Und jetzt reden aber alle Nachbarn, und dann haben die das Gefühl, oh mein Gott, wir sind asozial.
00:04:24: Das Thema Alkohol ist ja oft, finde ich, so in dieser asozial Ecke.
00:04:27: Ganz
00:04:28: viele Stigmata und so.
00:04:30: Genau.
00:04:30: Und warum hat die Mutter nicht auf ihre Tochter aufgepasst?
00:04:33: Ich weiß nicht, wann fing das bei deiner Mama an mit dem Alkohol?
00:04:36: Da war
00:04:38: sie auch so, so vierundzwanzig.
00:04:41: Warst du da schon auf der Welt?
00:04:42: Nein,
00:04:42: da bin ich gerade dann auf die Welt gekommen.
00:04:44: Es hat auch schon so ein bisschen angefangen, als sie schon mit mir schwanger war, wurde dann aber mit den Jahren immer schlimmer.
00:04:49: Aber hat sie denn auch während der Schwangerschaft dann auch getrunken?
00:04:52: Aber merkst du, hast du da was?
00:04:54: Nee,
00:04:55: das Ding ist, also mir fällt jetzt nichts auf, dass ich irgendwie Probleme meinem Alltag habe oder so.
00:05:00: Vielleicht so das eine oder andere Verhaltensmuster, aber das beeinträchtigt mich jetzt nicht.
00:05:05: Aber man kann in Berlin sich auf FASD testen lassen.
00:05:09: Das habe ich mal gehört.
00:05:09: Genau.
00:05:10: Und FASD ist eine phantale Alkoholsym...
00:05:14: Spektrum.
00:05:15: Störung.
00:05:16: Spektrum, Störung.
00:05:17: Das ist so ein schnelles Wort.
00:05:18: Wir wissen, was es ist.
00:05:19: Aber
00:05:19: was wird ja genau gemacht?
00:05:21: Für was ist das gut?
00:05:22: haben so Kinder, wo die Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben.
00:05:29: Das kann sich in unterschiedlichen Weisen zeigen.
00:05:31: Viele haben körperliche Einträchtigungen, Fehlbildungen oder so was halt.
00:05:37: Bei ganz anderen Kindern ist es viel im Verhalten.
00:05:41: Gerade was so emotional angeht oder wirklich verhaltensweisen.
00:05:45: Da würde ich dann schon wissen, was bei mir das Ding ist.
00:05:48: Ich habe echt viele Verhaltensstörungen.
00:05:52: Was
00:05:52: meint ihr denn, was bei dir ist?
00:05:55: Man sagt, es ist so ein bisschen wie Autismus, also jetzt nicht wirklich, aber die können Sachen so relativ gut, so Inselbegabungen, ganz oft, aber können zum Beispiel sozial wenig.
00:06:08: Also es kommt ganz drauf an.
00:06:09: Es ist bei allen unterschiedlich.
00:06:10: Und ich würde schon sagen, dass ich auch so... Ich habe mir jetzt nicht wirklich so Inselbegabungen, aber ich interessiere mich für so Dinosaurier, zum Beispiel richtig doll oder für so mechanische Dinge.
00:06:19: Erklär
00:06:19: mal, was Inselbegabungen sind.
00:06:20: Das ist ja ein Fokus
00:06:22: auf ein Set.
00:06:23: Genau.
00:06:23: Also auf eine Thematik oder auf einen Ding, so einen riesigen Fokus.
00:06:27: Und so ein krasses Interesse und auch, dass man richtig gut darin ist.
00:06:30: Also so...
00:06:31: Also wie so ein Hochbegab.
00:06:32: Genau.
00:06:33: Zum Beispiel manche haben Inselbegabungen... Mathematik oder die können so aus dem Kopf wie so ein Taschenrechner so Aufgaben lösen.
00:06:40: So was halt.
00:06:41: So was hast du auch.
00:06:42: Und dann wieder, wo du dann sagst, du ziehst dich auch ein bisschen zurück mal zwischendrin.
00:06:46: Und
00:06:46: bei mir ist es auch so.
00:06:47: zum Beispiel sozial merke ich, dass ich bin, alle denken immer, ich bin so ein super offener Mensch und ich kann ja auch gut mit Menschen.
00:06:52: Und dann kommt wieder die Schranke.
00:06:53: Dann kommt diese Schranke und ich habe voll, also mir fällt das nicht leicht, mit Leuten so zu sprechen.
00:06:57: Ich würde auch mitkommen.
00:06:58: Ich würde dir zur Seite stehen.
00:06:59: Händchen
00:06:59: halten.
00:07:00: Händchen halten?
00:07:02: Er war noch mal auf deine Oma zurückzukommen.
00:07:04: Ich glaube, die schämt sich einfach.
00:07:05: Und ich glaube, du weißt, dass sie sich auch schämt.
00:07:08: Und das ist unangenehm, darüber zu reden.
00:07:10: Und auch wenn es nicht gut findet, dass du darüber geschrieben hast, dass das dein Leben ist.
00:07:14: Und das ist ja auch eine Art der Verarbeitung.
00:07:17: Ja, und ich hab immer versucht, mich so ranzutasten.
00:07:20: Ich hab wieder so Nachrichten gezeigt von Leuten, die mir bei Instagram schreiben und sich bedankt haben, dass ich endlich darüber rede und ich den damit geholfen habe und so.
00:07:27: Und dann liest sie das so und sagt so, ja, aber ich will trotzdem nicht, dass du darüber öffentlich sprichst.
00:07:32: Und sie versteht diesen Aspekt nicht, dass man ja nur, wenn man endlich anfängt, über Themen zu reden, dass man dann irgendwas verändern kann.
00:07:38: Und das ist bei ihr noch nicht so anders.
00:07:39: Ja, ich glaube tatsächlich ... Da wird sich vielleicht auch nicht wirklich viel ändern.
00:07:45: Du weißt ja auch nie, also dieses Getuschle von anderen Menschen und ich weiß ja nicht, ob sie allgemein verschlossener Mensch ist, der nicht über Gefühle redet.
00:07:54: Bist du denn bei ihr aufgewachsen dann?
00:07:56: Oder wie war das mit ihr, der Umgang mit dir und ihr?
00:07:59: Wir
00:07:59: hatten früher so einen richtig liebevollen Umgang, weil ich bin ja im Heim groß geworden und meine Oma war die einzige, die immer mich besucht hat oder so an Ferientagen oder so zu sich geholt hat.
00:08:09: Und sie wollte eigentlich auch, dass ich bei ihr groß werde.
00:08:12: Ich dachte, es hätte sein können, dass du eine Zeit lang bei ihr gewohnt hast.
00:08:16: Das war immer der Plan, aber das wurde nichts.
00:08:19: Wurde
00:08:20: das nicht genehmigt?
00:08:22: Das
00:08:22: Jugendamt hat gesagt, meine Oma wäre schon zu alt dafür.
00:08:24: Ach
00:08:24: so, der Klassiker.
00:08:27: Wann fing das an, wo du gemerkt hast, das Verhältnis hat sich geändert?
00:08:31: Umso älter ich wurde.
00:08:33: Ich hatte damals noch nicht meine Stimme und habe auch nie was gesagt gegen deren Meinung, auch wenn ich die nicht immer gut fand.
00:08:39: Aber ich merke, umso älter ich werde, umso weniger ... Ach, kann ich so das hier reinlassen und da rauslassen?
00:08:45: Du musst einfach reden, ne?
00:08:46: Ja, genau.
00:08:47: Und manche Themen, mich macht das wirklich wütend, wenn ich verstehe,
00:08:50: wie
00:08:51: die darüber reden oder was die Veransichten haben, weil ich mir so denke, nein, das ist einfach nicht richtig.
00:08:55: Aber hast du denn auch andere Themen schon mit ihr gehabt, wo du gemerkt hast, wenn ich da jetzt weiter rede, fliebe ich gleich aus oder sie geht dann raus?
00:09:02: Also meine Mutter ist dann auch einer... Ich erzähle meine Geschichte, die ihr jetzt erlebt habt, meiner Mutter, wo ich dachte, oh mein Gott, aber da hab ich einen Fehler gemacht.
00:09:10: Aber meine Mutter hat zum Beispiel auch ... Mein Bruder ist ja Anfang des Jahres verstorben.
00:09:14: Und irgendwie sagt sie immer, sie will darüber reden, aber ... irgendwie trau ich mich dann auch nicht zu reden.
00:09:20: Und weil ich genau weiß, es artet in Heulerei aus, weil es alles aus dem Nichts auch irgendwie kam.
00:09:25: Und da hab ich dann auch so die, also ich hab jetzt, also klar, würde ich mich jetzt trauen, das zu sagen.
00:09:30: Aber ich hab Angst vor der Reaktion, dass ich dann denke, eigentlich wird gar nicht geredet, es wird dann nur geheult.
00:09:34: Und dann wird wieder das erzählt.
00:09:36: Und sie hat mein Bruder auch immer, mein Bruder immer so, ja, so sagen wir ein bisschen so ihr Sorgenkind.
00:09:41: Und dann glaube ich, dass jetzt wieder so in die Richtung, ja, aber der hatte das.
00:09:47: und solche Sachen.
00:09:48: Und war auch ein ganz schwieriger Mensch zwischendrin, immer wieder.
00:09:53: Aber sie versucht ihn dann zu beschützen, obwohl es da nicht zu beschützen gibt, eigentlich.
00:09:57: Wo ich dann auch diejenige bin und eigentlich sage, ja, aber er hatte auch das und das gemacht und das war auch nicht okay.
00:10:03: Und dann gehe ich dem Ganzen auch so aus dem Weg.
00:10:04: So, ne?
00:10:05: So, weil es kann auch sein, dass meine Mutter dann, ich weiß nicht, wie es bei deiner Oma ist, meine Mutter neigt dann dazu, wenn ich dann so ein Thema anspreche, die fängt dann an zu weinen.
00:10:14: Und
00:10:16: das ist für mich auch ganz schlimm, meine Oma weiterzusehen.
00:10:18: Man kriegt also schlechtes Gewissen.
00:10:19: Ja, voll.
00:10:20: Und dann denke ich mir auch, ja, ich will jetzt eigentlich gar nicht weiter.
00:10:22: Ich will eigentlich, dass sie aufhört.
00:10:23: Aber dann endet auch ein Gespräch.
00:10:25: Ja, und meine Oma sagt dann auch, dass es ihr sehr wehtut, darüber zu sprechen.
00:10:28: Und dann will ich natürlich auch nicht, dass es ihr wehtut.
00:10:30: Aber es ist ja eigentlich verständlich.
00:10:32: Ja, voll.
00:10:33: Aber hat sie niemals, ist sie dir ja nicht einmal entgegengekommen zu sagen, du pass mal auf das und das macht sie nicht, ne?
00:10:38: Nee.
00:10:38: Ich glaube, da muss man lernen, mit umzugehen.
00:10:40: Als erzähle ich dir kurze Geschichte von meiner Mama, was passiert ist.
00:10:43: Also ich bin dann auch manchmal ein bisschen strenger, weil meine... Mutter ist das schon in der Mütter, ist das schon in der Mütter, ist das schon in der
00:10:53: Mütter, ist das schon in der Mütter, ist das schon in
00:10:57: der Mütter, ist das schon in der Mütter, ist das schon in der Mütter, ist das schon in der Mütter, ist das schon in der Mütter, Meine Freundin war dabei und hab ich gesagt, okay, ich nehm mein Benchen.
00:11:12: Und ich war voll überzeugt, ich hab ihr das Benchen gegeben.
00:11:14: Naja, und dann war am nächsten Tag die Veranstaltung.
00:11:17: Und dann sag ich zu meiner Mutter, hast du ein Benchen?
00:11:19: Nee, das hast du mir nicht gegeben.
00:11:20: Und ich so, Mama, ich hab dir das Benchen gegeben.
00:11:22: Und meine Freundin auch, ja, ich war dabei, sie hat dir das Benchen.
00:11:25: Dann haben wir diskutiert wegen so einem Scheiß-Benchen.
00:11:27: Meine Mutter hat so einen Hals auf mich.
00:11:29: Und ich so ein Hals auf meiner Mutter und ich so, Mama, ich hab ja hundertmal gesagt, du besorg dir jetzt endlich wieder das richtige Hörgerät, was fehlt, dass du mich verstehst.
00:11:36: Ich habe dir dieses Benching Game, wir haben diskutiert.
00:11:39: Das war richtig aggro.
00:11:40: Meine Mutter hatte schon wirklich so ein Hals, ist dann in ihr Zimmer gegangen.
00:11:43: Und nein, ich hab alles abgesucht.
00:11:45: und dann dachte ich so, ob ich sagen, komm, ist nicht so schlimm, wir gehen drüber.
00:11:48: Wir kommen in Berlin an und ich finde das Benching in meiner Tasche.
00:11:54: Ich hab sie also doch
00:11:55: nicht gegeben.
00:11:56: Und jetzt hab ich diese Schwelle meiner Mutter zu sagen, Mama, es tut mir leid, ich entschuldige mich.
00:12:01: Ich hab tatsächlich dieses Bandchen gefunden, so lächerlich.
00:12:04: Aber ich wüsste genau, sie würde irgendwann diese Karte ziehen.
00:12:07: Sie würde irgendwann diese Karte ziehen, weißt du noch, da hast du es auch behauptet und das war anders.
00:12:11: Da hab ich jetzt meine Schwelle, wo ich dann denk, Mist, ey, was mach ich jetzt so, ne?
00:12:14: Das versteh ich.
00:12:15: Ja, und dann denk ich mir auch eigentlich lächerliche Sachen.
00:12:18: Aber ich glaub manchmal, ich weiß es auch nicht, entschuldige ich mich.
00:12:21: Aber bist du allgemein schlechteren, so viele einzugestehen?
00:12:25: Nee, ich bin schon jemand, ich geb das dann auch zu.
00:12:28: Aber bei manchen ist es, glaub ich, in dem Fall ist es, glaub ich, ich bin am Schwanken.
00:12:34: Ich meine, bei dir ja auch hast du dich für das Buch bei deiner Oma vielleicht trotzdem mal auf eine Art und Weise entschuldigt.
00:12:40: Gar nicht, wir haben noch, also bei uns, also zwischen uns ist es so, als ob dieses Buch nicht
00:12:45: existiert.
00:12:46: Ich hab
00:12:46: ihr weder erzählt, dass ich es geschrieben habe und sie hat das wahrscheinlich von allen mitbekommen, dass es jetzt schon draußen ist.
00:12:51: Aber vielleicht ist sie deshalb auch sauer, dass du es verschwiegen hast, ne?
00:12:54: Ja, das denke ich mir auch.
00:12:56: Und dann frage ich mich so, wie soll... weil ich war letztens bei ihr, weil sie passt ab und zu auf mein Hund auf.
00:13:01: Dann war ich ganz mutig und dachte, heute spreche ich es an.
00:13:04: Heute hab ich den Mut und dann kam ich da an.
00:13:06: Und sie hat mich schon so gar nicht angeschaut und war schon so kalt zu mir.
00:13:09: Dann war ich direkt so eingeschüchtert und dachte, ich krieg das nicht.
00:13:12: Hast du
00:13:12: ihr denn mal eins gegeben?
00:13:13: Nee, aber ich hab überlegt, ob ich hier mal einen Brief schreibe.
00:13:17: Ich würde tatsächlich ... ihr das Buch geben mit einer ganz lieben Widmung.
00:13:22: Ja, das stehen auch super liebe Sachen übersieht.
00:13:25: Ja,
00:13:25: und vielleicht, wenn da auch ganz liebe Sachen drinstehen, da würde ich dann, die würde ich markieren, dass was weiß ich, grüne Sticker rein macht.
00:13:33: Wir heißen denn diese ...
00:13:35: Post-its.
00:13:35: Post-its, genau.
00:13:38: Dass sie da als erstes liest und dass sie dann auch so was zum Beispiel sieht, dass vielleicht öffnet ihr das so ein bisschen die Tür.
00:13:43: Das würde ich auf alle Fälle machen.
00:13:57: Aber du hast gerade deinen Hund angesprochen, ne?
00:13:59: Ja, genau.
00:14:00: Ist das so, der ... brauchst du jemanden zu knuddeln, wo du ... Du hast ja auch mit, darf ich mal so sagen, mit Depressionen auch immer wieder zu tun gehabt.
00:14:11: Ich hab viele
00:14:11: Jahre Therapie gemacht und meine Therapeutin meinte schon immer, Frau Thaubein würde so einen Hund richtig gut tun.
00:14:16: Und ich wollte schon immer meinen lebenden Hund haben.
00:14:19: Und dann war ich so, okay, dann hole ich mir jetzt einen kleinen Dackel.
00:14:22: Wie bist du auf Dackel gekommen?
00:14:24: Äh
00:14:24: ... Ich wollte eigentlich einen Dobermann.
00:14:26: Oh mein Gott.
00:14:27: Wir kannst hier gar nicht überall mit hinleben.
00:14:29: Genau.
00:14:29: Und ich habe auch nur eine Wohnung.
00:14:31: Und ich dachte mir so ein großer Hund in so einer Wohnung, da bin ich glücklich.
00:14:34: Also wird es ein kleiner Hund.
00:14:35: Und meine Großeltern und meine Mama, die hatten auch immer Dackel.
00:14:38: Also ich bin quasi mit Dackeln groß geworden.
00:14:40: Aber ich habe das unterschätzt.
00:14:41: Also wenn man mal so ein Dackel.
00:14:42: Die sind ja schon wild.
00:14:43: Ich habe hier,
00:14:45: warte mal, hier ist eine Dackelnabe.
00:14:49: Also meiner Beis zum Glück nicht, aber er ist trotzdem ultrafrech.
00:14:52: Ja, die sind natürlich sehr aktiv.
00:14:53: Da bist du dann unter Sprießen mit dir im Hund.
00:14:55: Ja.
00:14:56: Wirklich,
00:14:56: das ist mein Therapiehund.
00:14:59: Er hat zwar keine offizielle Bezeichnung als Therapiehund, aber für mich ist das
00:15:02: mein Therapiehund.
00:15:02: Aber es ist ja auch so, viele Reden haben im Hund.
00:15:03: Ich hab ja tatsächlich damals, als ich mich von Cheyenne's Vater getrennt habe, war natürlich für Cheyenne auch traurig, weil er erst mal keinen Kontakt bestand und so weiter.
00:15:13: Und dann hab ich auch überlegt, was kann ich machen, mit wem kann sie reden?
00:15:15: Und ich hab ihren Hund gekauft.
00:15:17: Ich
00:15:17: hab ja tatsächlich Cupcake gekauft, die ist jetzt auch, glaub ich, vierzehn Jahre alt.
00:15:20: Das ist Cupcake.
00:15:21: Das ist Cupcake, das ist Cheyenne's Therapiehund.
00:15:24: Die lebt ja auch bei Cheyenne auf dem ... im Hof.
00:15:25: Die ist mittlerweile leider auch blind und hört auch nichts mehr und eiert ein bisschen durch die Gegend.
00:15:32: Aber das war tatsächlich Cupcake.
00:15:35: Dazu habe ich jetzt aber mal eine Frage.
00:15:36: Ist es nicht normal, dass man mit seinem Hund spricht?
00:15:38: Gibt es Leute, die nicht mit seinem Hund sprechen?
00:15:40: Also ich glaube, Leute, die nicht mit ihrem Hund sprechen, haben eigentlich ein Grundproblem.
00:15:45: Weil
00:15:45: ich spreche auch mit den Hunden.
00:15:46: Jetzt, wo du das sagst, ich war letztens Gassi und habe so mit Jumper gesprochen beim Gassi gehen und dann kam so ein Nachbar, den ich auch kenne und er hat gesagt erwischt.
00:15:52: Ich weiß jetzt, dass du mit deinem Hund sprichst und ich war so.
00:15:55: Ja, ich hab mich so voll erwischt gefühlt, aber dann hab ich mir so danach gedacht, es ist doch normal mit seinem Hund zu sprechen.
00:16:00: Ich find das auch normal.
00:16:01: Also, Scheinad hat ja mehrere Runde.
00:16:02: Weiß ich, eine Blümchen und Chloe und Lilly und ja, ja, so viele Hunde kann ihr gerne Namen aufziehen.
00:16:07: Und Blümchen, wie geht's ja heute?
00:16:09: Also, ich rede auch mit den Schafen, ne?
00:16:11: Also, ich geh dann auch reine in den Schafen.
00:16:13: Die gucken mich ja alle
00:16:14: an.
00:16:14: Ich kann euch jetzt nicht schweigen.
00:16:16: Ich rede
00:16:16: dann auch so, ja, guten Morgen.
00:16:18: Wie geht's euch?
00:16:19: Habt ihr gut geschlafen?
00:16:20: Und dann
00:16:21: so.
00:16:22: Ich bitte mir auch ein, dass Jumper auch mit mir spreche.
00:16:24: Ja, genau.
00:16:24: Oder der Esel, wenn ich dann über den Hof gehe, der hört, der Esel du-little, erkennt mich an den Schritten und dann redet er schon mit mir.
00:16:30: Dann gehe ich hier noch mit dem.
00:16:31: Ich finde das völlig normal.
00:16:33: Also du kannst Hunde auf jeden Fall empfehlen, ne?
00:16:35: Das sehe
00:16:35: ich genauso.
00:16:36: Also allerdings muss ich sagen, ich habe es auch ein bisschen unterschätzt.
00:16:38: So, weil gerade ich habe ihn auch als Welten bekommen, man romantisiert das Ganze, aber keiner erzählt, wie anstrengend das eigentlich ist.
00:16:45: So, ich hatte zwei Wochen wirklich nur geheult und dachte, so kann ich ihn wieder zurückgeben.
00:16:50: Und das ist auch nicht so leicht gerade bei uns, wenn wir immer so viel unterwegs sind und dies und das.
00:16:54: dass dann hinzubekommen, dass jemand auf den Hund aufpasst oder kann man den Hund jetzt da mitnehmen.
00:16:58: Das ist schon organisiert.
00:16:59: Das wollte man sich wirklich gut überlegen.
00:17:01: Ich finde es immer so traurig, dass ein Hund immer zu Weihnachten verschenkt werden oder
00:17:04: zum Geburtstag.
00:17:04: Ja, das muss schon überlegen
00:17:05: sein.
00:17:05: Weil die ersten Wochen als selbst ist halt schon super anstrengend.
00:17:07: Und man sollte auch wirklich gucken, gerade in dem Job, den du da auch machst oder irgendwer da irgendwann.
00:17:11: Das habe ich jetzt auch kein Hund, weil das wäre für mich ganz schrecklich.
00:17:14: Du brauchst immer einen Hundesitter.
00:17:16: Ich kann nur einen Hund empfehlen, den du vielleicht mit ins Flugzeug mal nehmen kannst oder so.
00:17:20: Der Reise tauglich ist sozusagen.
00:17:23: Deswegen
00:17:23: nicht.
00:17:23: Jeder, der jetzt zuhört oder Depression haben sollte oder irgendwas, ein Hund kann nicht immer nur positiv
00:17:27: sein.
00:17:28: Nee, das ist schon eine Herausforderung.
00:17:29: Aber ich finde auch im Alter finde ich, gerade wenn Menschen älter werden.
00:17:34: Während Hund großartig.
00:17:35: Das ist bei meinen Großeltern nämlich so.
00:17:37: Die haben ihr Haus verkauft, jetzt haben sie keinen Garten mehr, keinen Haus, um dass sie sich mehr kümmern.
00:17:40: Sie sitzen in ihrer Wohnung von morgens bis Abend und machen nichts.
00:17:43: Und ich merke das, ich merke das bei denen, dass die dadurch abbauen.
00:17:47: Geistig
00:17:48: und auch körperlich und so, weil die haben keine Aufgabe mehr.
00:17:51: Und deswegen bringe ich bewusst mein Hund immer zu denen.
00:17:54: Dann manchmal auch so paar Tage länger und so.
00:17:56: Ach, der schläft halt auch bei denen.
00:17:57: Oder blühen die wahrscheinlich auf.
00:17:58: Genau,
00:17:59: weil sie fühlen sich schon zu alt für einen eigenen Hund.
00:18:01: Verstehe ich auch, weil das viel Verantwortung.
00:18:03: Aber deswegen schieb ich den schon oft dahin, damit Oma blüht dann schon ein bisschen auf, wenn sie Jumper sieht und Opa muss Gassi gehen.
00:18:10: Du warst ja dann auch in der Klinik zwischendrin, ne?
00:18:12: Ja.
00:18:12: Wie hast du das denn festgestellt, dass du da Hilfe brauchst?
00:18:15: und wann war der erste Moment, also ich hatte auch schon mal eine Depression, erzähle ich dir gleich, wann es bei mir war, wann hast du das denn festgestellt, dass du gerade, dass du Depressionen hast?
00:18:24: Ich mein... Ja.
00:18:25: Man hat ja mal einen schlechten Tag, man schläft schlecht oder man hat würde Gedanken, das legt sich ja wieder.
00:18:30: Wann ist der Punkt, wann du das gemerkt hast, dass das so ist und dass du vielleicht auch irgendwann Hilfe brauchst?
00:18:34: Dass ich depressiv bin, habe ich wirklich erst gewusst, als ich die Diagnose bekommen habe.
00:18:38: Also ich konnte davor gar nichts mit meinem Gefühl oder mit diesem Zustand anfangen, weil ich super ohne aufgeklärt war, was das angeht.
00:18:44: Und ich habe gemerkt, dass was nicht stimmt.
00:18:47: Als ich, also das war super schleichend natürlich, aber ich habe es wirklich erst gemerkt, als schon eigentlich richtig die Kacke am Dampfen war.
00:18:53: Also ich lag nur noch in meinem Bad, habe es gar nicht mehr raus geschafft und dann haben so komische Gedanken bei mir angefangen.
00:18:58: Also ich hatte jetzt keine Suizidgedanken, aber ich habe mich schon gefragt, wenn ich mich jetzt rauslegen würde, das war im Winter.
00:19:05: Also genau um die, ich glaube ich bin heute genau an diesen Tag damals in die Klinik gekommen.
00:19:10: Auf jeden Fall habe ich mich so gefragt, ja, wie lange würde das wohl brauchen, bis man erfriert bei dem Wetter?
00:19:15: Und wer würde mich eigentlich finden?
00:19:17: Und wer würde eigentlich auf meine Bärde gekommen?
00:19:19: Solche Gedanken waren das.
00:19:20: Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich es auch gemacht hätte.
00:19:23: Und dann gab es ein Ding.
00:19:25: wo dann bei mir auch klar war, okay, das geht nicht so weiter.
00:19:28: Ich hatte das Bild von meiner Mama im Kopf, wie sie damals im Sack lag.
00:19:32: Und ich wollte sie unbedingt noch mal anschauen.
00:19:34: Und das hast du gemacht damals?
00:19:35: Genau, ich wollte das unbedingt.
00:19:36: Und alle haben mir davon abgeraten, weil sie war auch nicht hergerichtet.
00:19:39: Und so, und sah wirklich nicht gut aus.
00:19:41: Oh, shit.
00:19:41: Und dieses Bild hat sich so in meinen Kopf eingebrannt.
00:19:43: Und mein Gehirn hat mir die ganze Zeit ohne Unterbrochen dieses Bild gezeigt.
00:19:47: Und es war irgendwann so, dass ich schon so gegen meinen Kopf geschlagen hab.
00:19:49: Ich
00:19:49: würd das nicht mehr sehen.
00:19:52: Und dann, ich weiß nicht, ich kann das nicht beschreiben, gab es irgendwie so eine innere Stimme, die gesagt hat, du nimmst jetzt dein Handy und googlst nach Therapie in Potsdam.
00:19:58: Und dann habe ich die erste Nummer angerufen, nur natürlich alle, die sich bisschen mit Therapie auskennen.
00:20:02: Es ist eigentlich unmöglich, das nicht
00:20:04: für mich zu bekommen.
00:20:05: Und dann haben die auch gesagt, nee, wir haben leider keinen Platz mehr.
00:20:08: Und aus irgendeinem Grund habe ich eine zweite Nummer angerufen und ich hatte glaube ich tausend Schutzengel, weil die meinten ja, bei uns hat gerade eine neue Kollegin angefangen, die hat noch keine Patienten, also wenn es für sie okay wäre, können sie einfach zu ihr gehen nächste Woche.
00:20:19: Und ich war so...
00:20:19: Das ist natürlich ein Wunder, weil normalerweise das ist ja genau das Problem, dass das manchmal ewig dauert.
00:20:24: Ja,
00:20:24: eigentlich im Durchschnitt im... Deutschland so drei Monate, sagt man.
00:20:27: Und dann allein diese Überwindung, dass ich überhaupt da angerufen habe.
00:20:30: Ich weiß nicht, ob ich das noch mal hinbekommen hätte.
00:20:32: Also, das war pure Glück.
00:20:34: Auch
00:20:34: jetzt noch, wo du weißt, wie du damit umgehst, hättest du jetzt immer noch das?
00:20:37: Nee.
00:20:37: Oder jetzt wär's für dich so okay?
00:20:39: Weil ich hab jetzt meinen Notfallplan in meinem Kopf und auch irgendwo mal aufgeschrieben und ich weiß jetzt genau, was ich machen muss.
00:20:43: Und ich hab auch keine Angst mehr davor.
00:20:45: Weil da hatte ich wirklich Angst, weil das war so ungewiss.
00:20:48: Und ich bin auch zu dieser Therapie gegangen und ich bin in diesen Raum gekommen.
00:20:51: Und da standen so wie jetzt so diese zwei Stühle und hier stand so eine Taschentücherbox und ich dachte mir mal ... Oh, oh Gott, wie lächerlich.
00:20:57: Wer braucht schon diese Box?
00:20:58: Das ist ja wirklich wie im Film.
00:20:59: Es hat keine zwei Minuten gedauert, bis ich diese ganze Taschentücher-Box leergemacht habe.
00:21:04: Und dann war meine Therapeutin so, ich würde sie ungern nach Hause lassen.
00:21:08: Sie müssen schon in eine Klinik gehen.
00:21:10: Dann durfte ich nicht mal alleine nach Hause meine Sachen packen, sondern das musste mich machen.
00:21:13: Da war das ja schon wirklich grenzenbar dir.
00:21:14: Dann hast du es ja gar nicht so gemerkt, dass es so knapp war, dass irgendwie so ...
00:21:19: Genau.
00:21:20: Dann dachte ich so, oh Gott, ich muss in die Klinik.
00:21:22: Mein erster Gedanke war ... Ich will nicht, dass das jemand weiß, weil ich bin ein Psycho.
00:21:26: Man schämt sich
00:21:27: ja.
00:21:27: Und dann dachte ich so, weil meine Tante arbeitet auf einer geschlossenen Psychiatrie.
00:21:30: Und das noch.
00:21:31: Ja, und ich dachte so, oh nein, jetzt kommen mich da hin.
00:21:34: Und
00:21:34: da ist meine Tante da noch.
00:21:36: Die arbeitet zum Glück an Bodensee.
00:21:38: Das geht ja noch, aber da hat man ja so gedacht,
00:21:41: wir kennen
00:21:41: mich da jemand, kennen mich da jemand.
00:21:43: Es ist doch so, wenn in der Öffentlichkeit steht, ist doch so.
00:21:45: Und ich glaube gerade, ich meine ... Wenn wir jetzt gerade mal so die Schlagzeilen lesen, überall ist gerade irgendwie was und der wurde aufgefunden, oder die wurde aufgefunden, wo ich dann auch denke, da sind auch viele prominente Namen so dabei.
00:21:58: Ich glaube, die trauen sich wirklich nicht, da nach Hilfe zu fragen, die haben Angst, dass es in der Presse steht, dass man abgestempelt wird.
00:22:04: Du bist ein Psycho.
00:22:05: Genau.
00:22:05: Und das hat sich alle selber auch.
00:22:08: So, ich dachte so, Gott, jetzt bin ich so durchgeknallt, dass ich in die Klinik muss.
00:22:10: Und oh mein Gott, oh mein Gott.
00:22:12: Ich habe natürlich relativ schnell gemerkt, da sind ganz normale Leute.
00:22:15: Also wirklich ganz... Und das
00:22:16: gibt's ja alles, ne?
00:22:17: Ja.
00:22:17: Da gibt's ja Chefetage.
00:22:19: Genau.
00:22:19: Da waren Ingenieure.
00:22:21: Eine Staatsanwältin war dort.
00:22:22: Ganz viele Lehrerinnen, muss man sagen.
00:22:25: Ja, das ist der, der berufst ihn auch mal nicht überschätzt.
00:22:28: Alles, Architekten wirklich bunt gemischt.
00:22:31: Und dann hab ich so gemerkt, okay.
00:22:33: Und dann hab ich zum Glück auch was über die Krankheit gelernt.
00:22:35: Ich hatte da richtig Unterricht, wo man lieber psychisch erkundet.
00:22:37: Wie viele
00:22:37: Stunden hast du da am Tag mit jemandem gesprochen?
00:22:39: Kann man das so sagen?
00:22:40: Ich hatte das
00:22:40: Glück, muss ich leider auch sagen, dass ich in der Privatklinik war.
00:22:43: Da bekommt man schon mal mehr Therapie als jetzt in so anderen Kliniken.
00:22:47: Und ich hatte am Tag Einzeltherapie, Gruppentherapie und dann noch so was wie Gestaltung, Sport, was auch immer.
00:22:53: Klar, du sollst ja immer auf andere Gedanken kommen.
00:22:55: Ja,
00:22:55: ich hatte einen Taffenstundenplan, aber es hat mir gut getan.
00:22:58: Aber das ist ja auch oft das, dass man gerade ... Also ich sehe das ja auch bei mir.
00:23:02: Ich mag das zum Beispiel.
00:23:03: Ich habe ja eine Strafekalenderführung so mit Terminen und ich mag dieses... Da hast du gar dieses Strukturierte.
00:23:11: Das finde ich unheimlich schön.
00:23:12: Das
00:23:12: braucht das auch.
00:23:13: Und das brauchen ganz viele Menschen, gerade auch die zum Beispiel jetzt ADHS haben oder haben, oder wie mein Monat, den war das ganz wichtig, immer so eine Kalenderführung zu haben.
00:23:22: Und ich glaube, wenn das mal wegfällt, dann hängst du auch zu Hause ab.
00:23:25: Und gerade, sagen wir mal jetzt Influencer zum Beispiel, die haben das ja nicht klar, die haben ihre... wo sie was posten müssen oder machen müssen oder so.
00:23:34: Aber sonst ist ja da, finde ich, jetzt wenig Struktur.
00:23:36: Und wenn du es mal nicht zu tun hast oder mal in irgendwelche Shows gehst, was machst du?
00:23:39: Ja,
00:23:40: ich fühle mich richtig arbeitslos.
00:23:44: Manche fühlen sich wirklich auch nutzlos.
00:23:45: So
00:23:46: kommt
00:23:46: da wieder was, kommt da auch wieder ein Job rein.
00:23:48: Und faul fühle ich mich auch.
00:23:49: Ich fühle mich richtig faul.
00:23:51: Und ich hab dann auch immer genau diese Existenzängste so ein bisschen... Ich hab jetzt eine Woche nichts gemacht.
00:23:57: Genau,
00:23:57: das wollte ich ja gerade sagen.
00:23:58: Diese Depression, durch was meinst du denn, was war denn der Hauptgrund, warum
00:24:03: hast
00:24:03: du dich alleine gefühlt?
00:24:04: Oder eben Existenzängste?
00:24:05: Oder
00:24:06: eine
00:24:06: Kombination aus allem?
00:24:07: Der
00:24:08: Auslöser war, ich hab mich damals von meinem Mann getrennt.
00:24:11: Das war für mich mein ein und alles.
00:24:13: Das war meine erste eigene Familie.
00:24:14: Da haben wir uns getroffen.
00:24:17: Da war wirklich alles für mich.
00:24:18: Dann ist das von heute auf morgen weggebrochen.
00:24:20: Ich dachte, ich kann nicht ohne ihn.
00:24:22: Mein Leben hat keinen Sinn mehr.
00:24:24: So wie ich mir das erträumt habe, das wird alles nicht stattfinden.
00:24:27: Das war quasi der Auslöser, aber meine ganze Kindheit war
00:24:30: hoch.
00:24:31: Ich habe das immer an Schubladen gesteckt.
00:24:34: Kommt
00:24:34: ihr da was?
00:24:35: Merkst du was?
00:24:36: Genau,
00:24:37: ich hab das Schubladen gesteckt.
00:24:39: Aber diese Schublade kamen ja dann so krass entgegen, Depressionen.
00:24:42: Ja, aber
00:24:43: ich bemeile gerade die Kombination mit deiner Oma.
00:24:46: Die hat auch alles in Schublern gesteckt.
00:24:48: Nur dass du sie aufgemacht hast und deine Oma hat sie nicht aufgemacht.
00:24:51: Die sollte vielleicht auch mal so ein bisschen mal aufmachen.
00:24:52: Deshalb
00:24:53: ist es wichtig die aufzumachen.
00:24:54: Genau.
00:24:55: Schublern sollte man aufmachen.
00:24:56: Und dann ging das dann, konntest du denn frei reden gleich?
00:24:59: Oder hast du dich da auch, ich mein, Gruppentherapie stelle ich mir ja auch...
00:25:02: Davor hatte ich auch Angst.
00:25:03: Gruppentherapie hab ich gedacht, mach ich nicht.
00:25:05: Hast du
00:25:05: nicht gemacht?
00:25:05: Da hab ich mich geschämt, weil ich hatte Angst, nämlich, dass Leute mich erkennen.
00:25:09: Genau,
00:25:09: das wollte ich ja mit das Wort raus.
00:25:10: Und ich wollte mich fremden Leuten nicht öffnen.
00:25:12: Und dann waren die so, ja, okay, dann geben wir die erst mal zwei, drei Tage, aber die haben mir wirklich nur zwei oder drei Tage ohne Gruppentherapie gegeben und da musste ich Gruppentherapie machen.
00:25:19: Und ich muss jetzt im Nachhinein sagen, das hat mir am meisten gebracht, diese Gruppentherapie.
00:25:23: Weil du nicht alleine bist.
00:25:24: weil ich nicht alleine bin und es klingt jetzt auch ein bisschen... wirklich ein bisschen Scheiße von mir.
00:25:28: Aber manchmal saß ich in dieser Gruppe und dachte, okay, mir geht's doch gar nicht so schlecht.
00:25:31: Und dann denkste irgendwie so, was mach ich hier eigentlich?
00:25:33: Genau.
00:25:34: Und dann aber war das relativ cool, weil wir waren ja immer so eine gewünschte Gruppe aus verschiedenen psychischen Erkrankungen, also depressive, abhängige, bipolare und alles Mögliche.
00:25:43: Und was mich krass beeinflusst hat, war, wir hatten in unserer Gruppe einen Alkoholabhängigen, der auch Kinder hat.
00:25:50: Ah, und dann die Kombination mit deiner Mama.
00:25:53: Wie war das dann für dich?
00:25:54: Schwierig.
00:25:55: Und ich glaube, für ihn war es aber noch schwieriger, weil er diese Perspektive noch nie so gesehen hat, wie das, was ich alles erzählt habe.
00:26:01: Und er kam auch so oft nach dieser Gruppe zu mir und hat sich so für mich, also hat sich entschuldigt quasi so, obwohl er ja nichts mit mir zu tun
00:26:08: hatte.
00:26:09: Aber ich glaube, da hat es bei ihm schon das eine oder andere Maklick gemacht.
00:26:12: Aber
00:26:12: dann hast du ja eigentlich auch ihm extrem geholfen.
00:26:14: Ja voll.
00:26:15: Mal zu spiegeln.
00:26:16: Du wolltest mir noch erzählen, wie du das gemerkt hast bei dir damals, bei deiner Depression.
00:26:19: Ach so, mit Depression.
00:26:20: Ich habe ja schon einige schwere Operationen hinter mir.
00:26:22: Ich bin ja zweimal fast gestorben.
00:26:24: und war der, lass mich überlegen, das war nach der ersten Bauch-OP, haben die erst mal gesagt, so ja, eigentlich müsste ich in der Reha, ich hab gedacht, ich ziehe das so durch, ich hab ja so einen Cut von oben bis unten und ich hatte ja eine Allergie auf die Antibiebepille.
00:26:39: Und dann hab ich aber irgendwie gemerkt, es stimmt trotzdem was nicht, was ich also nicht wusste.
00:26:45: Ich hab mich zehn Jahre lang ja im Schnitt zwölfmal übergeben.
00:26:50: Dann war das eine Notoperation, also es dauerte jetzt lang darüber zu reden.
00:26:53: Auf jeden Fall hieß es dann, ich darf keine Pillen mehr nehmen, keine Anti-BB-Pillen mehr.
00:26:57: Und ich hatte in der Zeit, wo ich operiert wurde, hatte ich diese Pillenpause von einer Woche.
00:27:02: Und nach der Operation, klar, ich war, mir ging's ganz schlecht, ich musste laufen lernen.
00:27:06: Und es war ja wirklich Grenze mit allem.
00:27:08: Und dann durfte ich nach einer Woche die Pille wieder nehmen.
00:27:11: Und dann fing diese übergeben wieder an.
00:27:13: Und dann dachte ich mir, scheiß, die Operation, diese schwere Operation war einfach umsonst.
00:27:17: Dann hab ich immer mehr abgebaut und abgebaut, weil ich hatte diese Ergebnisse noch nicht.
00:27:22: Ich hatte so eine Ablagerung im Gefäß.
00:27:25: Ich hatte die Ergebnisse noch nicht.
00:27:26: Ich hab die Pille weit und war komplett am Ende.
00:27:27: Ich wurde immer dünner und dünner.
00:27:28: Ich bin im Sitzen eingeschlafen.
00:27:30: Ich war einfach am Ende, frisch operiert, Pille eingeworfen.
00:27:33: Und dann kam eben sofort Pille absetzen.
00:27:36: Also, ich bin sofort, also, ist mein Todesurteil.
00:27:40: Und dann war ich aber so erschöpft.
00:27:41: Und dann hab ich gedacht, ich muss doch in Reha und bin in Reha gekommen.
00:27:44: Und dann haben die mich halt so mit Fidermine aufzubauen.
00:27:47: Dann hab ich Infusion bekommen.
00:27:49: Und ... Ich konnte halt dann auch nicht gut schlafen.
00:27:53: Ich hatte so ein Riesenkart.
00:27:54: Ich musste wieder laufen lernen und alles.
00:27:56: Und dann haben die mir eine Infusion gegeben.
00:27:59: Und abends dann hatte die Krankschwässer gesagt, weil ich nicht schlafen konnte.
00:28:03: Ich konnte in diesem Bett in dieser Reha nicht schlafen.
00:28:06: Sie gibt mir eine halbe Schlaftablette.
00:28:08: Und ich hab nie Schlaftabletten genommen.
00:28:10: Und dann hab ich Drehschwindel bekommen und bin am nächsten Morgen aufgewacht und hatte wir auf einmal ... Eine Schwarze Wand vor mir.
00:28:18: Ich habe nur geweint.
00:28:20: Ich habe auf einmal nur geweint.
00:28:22: Und es kam so aus dem Nichts.
00:28:23: Ich war null vorbereitet.
00:28:24: Also ich hatte noch nie so eine Depression.
00:28:26: Und dann kam die Krankenschwester so, wollte mir Frühstück dann bringen.
00:28:30: Und dann habe ich die ... Sieh ein bisschen mich in den Arm.
00:28:33: Ich habe nur geweint.
00:28:33: Ich habe nur geweint.
00:28:36: Ich weiß nicht, was mit mir los ist.
00:28:38: Irgendwie wurde das durch irgendwas, vielleicht durch diese Infusion, Schlaf-Tablette.
00:28:44: Hormone von der Pille, wahrscheinlich?
00:28:46: Hormone von der Pille.
00:28:48: Ich hatte die dann zwar abgesetzt, es war eine komische Kombination.
00:28:53: Und er hat das anscheinend ausgelöst.
00:28:55: Und ich hab nur noch geweint.
00:28:57: Und ich war so am Ende, ich muss nach Hause, ich muss nach Hause.
00:28:59: Und die wussten alle nicht mit umzugehen, weil das war ja jetzt keine Klinik für Depression.
00:29:04: Was ich im Nachhinein erfahren hab, Eintracht, das war auch Privat-Eintracht davon, lagen Patienten, die zum Stärm dahin gekommen sind.
00:29:11: Im Nachhinein habe ich gefahren, dass kurz vorher in meinem Bett jemand gestorben ist.
00:29:15: Also anscheinend habe ich alles aufgesaugt, wie ein Schwamm.
00:29:18: Und hab dann mich aus der, also mein Ex-Mann hat mich dann aus der Klinik abholen müssen, weil ich wollte nach Hause zu meinen Kindern.
00:29:24: Ich war so fertig, nur geweint.
00:29:27: Und dann werde ich nicht vergessen, mein Bruder zu besuchen.
00:29:29: Und der hat dann schlug Wasser.
00:29:32: so angedeutet, aus meiner Flasche zu nehmen.
00:29:33: So wollten mich ein bisschen aufmuntern.
00:29:35: Ich trink jetzt mal kurz aus dem Wasser und ich hasse das.
00:29:38: Ich habe mich so geweint.
00:29:39: Ich konnte ihm aufhören zu weinen.
00:29:41: Und das ging ungefähr elf Tage.
00:29:44: Elf Tage war ich in einem Loch drin.
00:29:46: Also ich hatte keine Selbstmordgedanken.
00:29:48: Ich konnte mich nicht mehr bewegen.
00:29:50: Ich war komplett erschöpft.
00:29:52: Ich habe nur schwarz gesehen.
00:29:54: Es war alles schwarz.
00:29:55: Ich habe keine Farben mehr gesehen und mehr so ein Farbenmensch.
00:29:57: Mein Wohnzimmer war damals gelb.
00:30:01: Ja.
00:30:01: Ich habe keine Farbe mehr gesehen.
00:30:03: Und ich war sowas von traurig, von tief traurig und dann war das auch immer so aus dem Licht wieder weg.
00:30:10: Krass.
00:30:10: Und die Ärzte konnten sich das nicht erklären.
00:30:12: Ob ich irgendwie diese Kombination hatte und ich würde nie wieder in meinem Leben eine Schlaftablette nehmen.
00:30:18: Ich habe panische Angst
00:30:20: vor
00:30:20: Schlaftabletten.
00:30:21: Also jetzt nicht Angst in dem Sinne.
00:30:22: Ich hätte Angst, dass sie das wieder auslösen.
00:30:24: Und ich hab nur eine halbe Tablette davon genommen.
00:30:26: Und das war so meine Depression, die ... Wo viele sagen, das war ja nicht eine ... Doch, es war eine Depression.
00:30:31: Ich war bei Erzling, das ist eine Depression.
00:30:33: Aber die konnten sich nicht erklären, dann wollten die mir auch Mittel geben und hab gesagt, nee, ich hab das Gefühl gehabt, ich hab eine Kombination bekommen, die mir nicht gut tat, die das ausgelöst hat.
00:30:40: Ich weiß gar nicht, ob das geht, aber es war mein Gefühl.
00:30:43: Und dann hab ich im Nachhinein erfahren, bevor ich in diese Reha bin, eine Woche vorher, oder ein paar Tage vorher, ist jemand in mein Bett gestorben.
00:30:50: Ich bin halt auch so ein Mensch.
00:30:52: Ich glaub an so manche Sachen.
00:30:53: Das war so meine Geschichte, wo ich dann dachte, nie wieder eine Schlaftablette.
00:30:57: Ich hab auch Angst vor, ich weiß jetzt nicht, ob das Vitamin B oder D war.
00:31:02: Da hab ich eine Infusion bekommen zum Aufpeppeln.
00:31:04: Da hatte ich komplett rote Flecken am ganzen Körper, wo die sagten, okay, das kriegen sie nicht.
00:31:09: Ob das mein Körper geschwächt, das war diese ganze Kombination.
00:31:13: Aber es war, deshalb kann ich das nachvollziehen.
00:31:17: Man ist so machtlos.
00:31:18: Ich war so machtlos, weil jeder kennen mich, ich bin lustig, ich bin witzig.
00:31:22: Und ich war immer nur so...
00:31:23: Ich hatte auch zu diesen Zeitpunkten...
00:31:25: Mein Körperhaltung war auch ganz anders.
00:31:26: Ich
00:31:26: hatte auch das Gefühl, dass mein Körper ab hier, ich habe den nicht mehr gespürt.
00:31:29: Also ich habe nur noch meinen Kopf gespürt, aber alles, was hier unten so, ich habe das nicht gemerkt.
00:31:33: Ja,
00:31:34: bei mir war diese Schwere, diese... keine Farbe mehr im Leben zu haben.
00:31:38: Ja, das hatte ich auch.
00:31:39: Und diese tiefe Traurigkeit, wo ich dachte, da holt mich keiner raus.
00:31:42: Genau.
00:31:42: Und man hat auch dieses Gefühl, es wird niemals besser werden und alles ist schlecht.
00:31:46: Also wirklich alles ist schlecht und es wird sich niemals ändern.
00:31:50: Also ich habe mich irgendwie in so einem Sessel gesehen und da komme ich nicht mehr raus.
00:31:54: So war das für mich irgendwie.
00:31:56: Und dann war das total ... Es war auch von einem Tag auf dem anderen weg und ich hatte immer Angst, dass es wieder kommt.
00:32:06: Das hat auch mein Therapeut gesagt.
00:32:08: Es fängt immer in der Kindheit an.
00:32:10: Also, alle haben so Probleme, ihr Leben lang mit sich gezogen, aus der Kindheit ist irgendwas passiert.
00:32:17: Er meinte, er hat in seinen dreißig Jahren Berufserfahrung erst wirklich eine einzige Person getroffen, die eine wunderbare Kindheit hat, also wirklich nichts war.
00:32:23: Weil die meisten sitzen da und sagen, ne, meine Kindheit war toll.
00:32:26: Aber wenn man so gräbt, dann gab's immer
00:32:28: irgendwas.
00:32:29: Ja, genau.
00:32:29: Und das wollen ja auch viele aus der Kindheit nicht erzählen.
00:32:32: Also klar, ich hab auch in der Kindheitssache, der lebt hier auch teilweise.
00:32:34: Ich war immer toll und so, aber zu der Zeit bin ich auf dem Dorf groß geworden.
00:32:39: Da wurde unheimlich viel gefeiert, das war zu siebziger Jahre.
00:32:42: Da haben die Männer sich schon gut abgeschossen.
00:32:44: Da war mein Vater dann auch immer laut.
00:32:46: Das war für mich dann auch immer so ... Mein Vater war zwei Meter, ehemaliger Zehenkämpfer.
00:32:50: Da hat es so ein Clitko zu Hause.
00:32:52: Da ist jetzt nie bei mir irgendwas passiert oder so.
00:32:54: Aber trotzdem, der war dann immer sehr, sehr laut.
00:32:57: Und ich hatte Jahre später, da war ich dann auch so verheiratet schon.
00:33:01: Und so hatte ich immer, wenn ich jetzt ... In den Straßen unterwegs war Abend, man war Essen und da waren Betrunkene unterwegs und war dann laut.
00:33:09: Dann direkt hat man so diese Anspannung?
00:33:10: Ja, da hat
00:33:11: sich richtig alles zusammengezogen.
00:33:13: und ich muss mal dazu sagen und mein Ex-Mann fand das immer sehr witzig und der hat dann immer Schauspieler, der hat dann oft mal so einen Betrunkenen für mich gemacht und das war für mich immer Lass das bitte, Lass ist einfach, der hat mich also... Der hat es auf witzig gemeint, aber es kam gar nicht gut an.
00:33:28: Er hat es so nicht verstanden, weil ich gesagt habe, lass es einfach.
00:33:30: Aber er hat sich alles zusammengezogen im Körper.
00:33:33: Genau.
00:33:36: Und dann hat er das so aufgespielt.
00:33:38: Und das hat mich irgendwann richtig akro gemacht.
00:33:40: Weil ich immer dachte, wieso versteht er nicht, dass mir das weh tut, wenn er das macht.
00:33:46: Er ist so mein Mann.
00:33:46: Das
00:33:47: Thema hatte ich auch mit meinem Ex-Freund.
00:33:48: Der war leider auch... Das war so krass, weil es hat noch nie ein Mensch geschafft, mich so in diese Emotionen zu bringen wie mein... Und
00:33:56: was hat er gemacht?
00:33:57: Der war auch immer auf Alkohol sehr, sehr schlimm.
00:33:59: Und der wurde so aggressiv.
00:34:00: Und das war genauso wie bei meiner Mama damals, weil meine Mama war ja auch immer sehr aggressiv.
00:34:05: Und das war wirklich gar nicht gut.
00:34:07: Und ich hab's ihm auch versucht zu erklären.
00:34:09: Ja, du stempelst mich nur aufgrund deiner Mama direkt als Alkoholiker ein und
00:34:13: so.
00:34:13: Du bist direkt auf dich, du bist dann diejenige, die nicht, also er baut Mist, ne?
00:34:18: Aber ich bin die, die übertreibt aufgrund von meiner Geschichte.
00:34:20: Ich soll mich mal nicht so haben, weil so schlimm ist es ja gar nicht.
00:34:23: Also gar nicht verstanden.
00:34:24: Also wie
00:34:25: bei mir praktisch.
00:34:25: Es wurde damit rumgealbert und nicht ernst genommen.
00:34:27: Und letztendlich bist du dann diejenige, die dann irgendwie denkt, ja was, also bei mir warst du das, was hab ich da, also es hat mich dann auch entfernt.
00:34:35: So, der Moment hat mich entfernt und ich brauchte dann auch eine Zeit, so zwei, drei Tage dachte ich so, ich fand das so gemein und so unfair und ich habe gar nichts gemacht, ich habe nur über meine Gefühle gesprochen und gesagt, ey, das... Tut mir weh, das geht nicht, weil mich zerreißt das irgendwie.
00:34:50: Und du hast das dann genauso gemacht,
00:34:51: ne?
00:34:52: Wie lange wart ihr zusammen?
00:34:53: Zwei Jahre.
00:34:54: Ich muss sagen, das war von mir sehr dumm, dass ich überhaupt zwei Jahre in dieser Beziehung geblieben bin.
00:34:58: Aber leider, das ist auch bei mir so ein Punkt, ich halte so krass an Menschen fest.
00:35:01: Und die können mir hundertmal ein Messer in den Rücken rammen.
00:35:03: Und ich bin trotzdem so naiv und bleibe immer bei diesen Personen.
00:35:06: Ja, und hast du da eine Therapie?
00:35:08: Was haben die da?
00:35:10: Meine Therapeutin meinte dann so am Ende, als ich zu ihr gegangen bin und ihr ganz stolz erzählt habt, dass ich mich nicht getrennt habe.
00:35:16: weil wir trotzdem irgendwie die Bestätigung von ihr holen wollen.
00:35:18: Aber ich
00:35:19: glaube, du brauchst Bestätigung, ne?
00:35:21: Ich bin
00:35:22: so unsicher mit meinen eigenen Entscheidungen.
00:35:24: Wenn mir eine Person sagt, das finde ich gut, dann bin ich so, okay, das sei gut.
00:35:28: Es sind auch ganz viele Kindheitsverhalten.
00:35:30: Das ist doch wirklich ganz normal.
00:35:32: Du hast das ja von deiner Mama mit Sicherheit nicht bekommen.
00:35:35: Und hast du denn so Personen in deinem Umfeld, die dir diese Bestätigung geben, wo du auch weißt, es ist echte, ist das Verwandtschaft oder sind das Freunde?
00:35:43: Das sind Freunde.
00:35:43: Weil ich sage immer, ich bin ja quasi ... ohne Familie eigentlich groß geworden.
00:35:48: Deswegen hab ich mir so mit meinen Freunden meine Ersatzfamilie zusammen gesammelt.
00:35:52: Und die sind wirklich so toll.
00:35:54: Also ich liebe die.
00:35:55: Zum Beispiel eine Freundin von mir, die wollen mich jetzt adoptieren.
00:35:59: Die sind nur ein paar Jahre älter.
00:36:00: Aber er hat zum Beispiel so ein Papa-Gefühl bei mir irgendwie.
00:36:04: Und natürlich, ich mach das nicht, weil ich find's komisch, weil meine Freunde mich adoptieren.
00:36:08: Aber ich gehöre so schon zu deren Familie so richtig dazu.
00:36:12: Also ich hab ja auch super früh geheiratet, jetzt sage ich dazu.
00:36:15: Jugend sünde.
00:36:16: Aber ich bin ja aus dem Heim gekommen und ich hatte ja so noch nie dieses Gefühl von Familie oder dazu gewonnen und das hat er mir voll gegeben.
00:36:22: Deswegen habe ich mich da so richtig reingestürzt.
00:36:25: Voll und ganz.
00:36:26: Ähm, wir haben ... ... wir haben ... ... wir haben ... ...
00:36:33: wir
00:36:34: haben ... ... wir haben ... ... wir
00:36:38: haben ... ... wir
00:36:39: haben ... ... wir haben ... ... wir haben ... ... wir haben ... ... wir haben
00:36:49: ... ... wir
00:36:51: haben ... ... wir haben ...
00:36:54: Wahrscheinlich.
00:36:55: Du weißt ja auch nicht, ob das noch mal passiert wäre oder so.
00:36:57: Wenn
00:36:57: ich jetzt so darüber nachdenke, ich war auch nicht richtig glücklich.
00:37:00: Ich habe auch sehr dieser Fantasie und dieser Traumwelt so ein
00:37:03: bisschen hinterher
00:37:04: geeinfacht.
00:37:05: Der war bei dem Wort Romantizier.
00:37:06: Genau.
00:37:06: Die rosa-rote Brille war komplett aufgesetzt, weil... Mit seiner Familie war das immer super schwierig.
00:37:12: Er hatte schon andere Ansichten und andere
00:37:17: moralische
00:37:17: Werte.
00:37:18: Genau, haben wir nicht da sogar mal drüber gesprochen.
00:37:21: Weil ich ja auch, ich war ja auch mit jemanden neun Jahren zusammen.
00:37:24: Deutschland zwar geboren, aber türkische Wurzeln und die Familie und alles.
00:37:28: Das weiß ich noch, da haben wir mal drüber gesprochen.
00:37:30: Da hab ich mich auch immer sehr unter Druck gefühlt.
00:37:31: Also, das klingt jetzt zwar voll hart, aber ich war gerade, hab mir mein eigenes Leben aufgebaut, hab mich gerade getraut, das erste Mal so meine Meinung zu sagen.
00:37:39: und hab ich direkt immer wieder so ein Deckel von oben drauf
00:37:42: bekommen.
00:37:45: Ihm zuliebe hab ich das natürlich gemacht.
00:37:46: Und bei mir, das Dove war, er hat immer zu mir gesagt, du hast recht, aber sobald seine Familie da war.
00:37:50: Nein, ja.
00:37:54: Kann ich komplett nachvollziehen, dass in der Partnerschaft ist alles fein.
00:37:58: Und dann aber bestimmt die Mama.
00:38:00: Ja, und sein Bruder war das auch.
00:38:03: Das ist natürlich dann nicht so.
00:38:04: Meinst du denn auch, man sagte immer ... zum Betrühen.
00:38:09: Wenn einer fremd geht, hat der andere auch Schuld.
00:38:11: Ich seh das anders zum Beispiel?
00:38:13: Nee, das ist ähnlich wie bei dir.
00:38:15: Z.B.
00:38:16: es war Corona-Zeit, wir waren in Italien zu dem Zeitpunkt und dann durftest du ja wirklich gar nicht rausgehen.
00:38:20: Das war ja
00:38:22: richtig schlimm.
00:38:22: Genau,
00:38:23: in dieser Wohnung eingesperrt.
00:38:24: Und er hat den ganzen Tag mit seinen Freunden online gezockt.
00:38:27: Und ich hab so gesagt, ich würde mich freuen, wenn du mal eine Stunde am Tag was mit mir machst, zu puzzeln oder so, was man halt gemacht hat in der Zeit.
00:38:33: Und er hat ja wirklich auf die Uhr geguckt und auf die Minute geguckt, wann diese Stunde vorbei war und ist dann wieder an seine Playstation gegangen und so.
00:38:40: Und mich hat das so einsam gemacht.
00:38:41: Die ganze Zeit, wir waren noch nie vorher so oft irgendwie zusammen.
00:38:45: Und jetzt hatten wir diese Möglichkeit und haben trotzdem wenige.
00:38:48: Du konntest es gar nicht genießen oder dass man sagt, man dürfte dich
00:38:52: nicht mal raus.
00:38:53: Und ich bin leider so ein Mensch, wenn ich merke, dass es so zwischenmenschlich gerade nicht funktioniert und so
00:38:57: zieht
00:38:58: eine Mauer auf.
00:38:58: Und er ist dann so, er kam dann halt irgendwann ins Bedroom wollte, mit mir auch Soziätlichkeiten haben und so.
00:39:02: Und ich kann das dann den Moment nicht, weil ich mir so denke, was
00:39:05: ich ... Dann warst du mich in der ganzen Zeit nie gelassen und jetzt soll ich bereit sein.
00:39:09: Super, super.
00:39:10: Das kann ich dann nicht.
00:39:10: Und das war das, was ihn dann gestört hat.
00:39:14: dass dann woanders geholt.
00:39:15: Aber dann musst du das ja nach Corona gemacht haben, oder?
00:39:18: Wie soll das dann gelaufen sein?
00:39:19: Ja,
00:39:19: also es war dann die Zeit, wo es ein bisschen lockerer wurde.
00:39:22: Da durfte ich dann das erste Mal auch wieder nach Deutschland, weil ich musste nach Hause so Steuern kramen machen und alles, was halt so liegen geblieben ist.
00:39:27: Und ich war wirklich nur eine Woche nicht da.
00:39:30: Und da hat er Gas gegeben.
00:39:31: Ja.
00:39:32: Und wie hast du es erfahren, hat Esti gesagt?
00:39:35: Er hat sich so dumm angestellt.
00:39:37: Er ist nie anderen Frauen bei Instagram gefolgt.
00:39:39: Auf einmal sehe ich, er folgt irgendwie so... Also so Mädchen aus Verona, wir haben in Verona gelebt.
00:39:44: Und dann hab ich ihn so drauf angesprochen und meinte, diese eine hilft mir italienisch zu lernen und die hab ich da und da kennengelernt.
00:39:50: Und
00:39:51: die anderen verhilfen mir französisch zu lernen.
00:39:52: Genau,
00:39:53: fand ich schon komisch.
00:39:54: und dann bin ich nach Hause gekommen und auf einmal waren alle meine Sachen weg.
00:39:57: Also an der Garnerobe hingen ja so Jacken von mir und so, die waren weg.
00:40:00: Dann unsere Bilder im Regal, auf einmal, die standen immer da, auf einmal stand unser Bild da.
00:40:06: So, und ich wusste, okay, irgendwas hat der hier rumgeräumt.
00:40:09: Da hab ich so gesagt, warum hast du meine Sachen umgestellt und unsere Bilder?
00:40:12: Und dann hat er so gesagt, ja, ich wollte mal umräumen.
00:40:15: So was hat er gesagt.
00:40:16: Hat er natürlich
00:40:17: regelmäßig gemacht, umgeräumt?
00:40:18: Ja,
00:40:18: hat er nie gemacht.
00:40:19: Ich hab im ersten Moment auch gelacht, weil ich witzig fand.
00:40:22: Dann hab aber meinen Gehirn angefangen zu rettern.
00:40:24: Da hab ich meine besten Freunde angerufen und die meinten so, nee, das ist komisch.
00:40:28: Dann meinten die, wenn er vom Training kommt, weil er Fußball gespielt hat, fragst du ihn, ob du in sein Handy schauen darfst.
00:40:34: Darf ich mal in deinem Handy schauen?
00:40:36: Doch, er hat gesagt, ja.
00:40:38: Hat es mir gegeben.
00:40:39: und diese Chats mit genau diesen Frauen, den er gefolgt hat, die gab es, aber er hat alle Nachrichten gelöscht.
00:40:45: Also noch mehrere Frauen, nicht nur eine.
00:40:47: Ja,
00:40:47: ja, genau.
00:40:48: Und dann hat meine beste Freundin, CIA-Agentin, umgeswitched schnell und hat diese Frauen angeschrieben und hat gefragt, sag mal, und da meinten die so, ja, ja, ja, der hat erzählt, er ist in der offenen Ehe und dies und das und so.
00:41:00: Aber das ist ja blöder, geht's ja wohl gar nicht.
00:41:02: Und dann auch nur mit Italienerinnen, die ja dann das gar nicht lustig finden, die der Wetzen ja dann, also da geht's ja gleich die Post ab.
00:41:09: Ja,
00:41:09: und ihm hat es natürlich super like getan und dies und das.
00:41:11: Ich bin auch ordentlich ausgerastet, muss ich dazu sagen.
00:41:15: Aber ja.
00:41:16: Trägst du denn so eine Wut in dir?
00:41:18: Gar nicht mehr, null Kommando.
00:41:19: Aber das war damals wahrscheinlich mit einem zusammen, ne?
00:41:21: Und ich glaube, wenn einer so Wut in sich trägt, dann kommt dann eins zum anderen so raus, ne?
00:41:25: Genau.
00:41:26: Und ich war auch damals eine Person, die lange nichts sagt, so.
00:41:29: Und ich hab auch meistens in den Situationen selten Sachen angesprochen.
00:41:32: Ich hab's immer mit mir selber ausgemacht.
00:41:33: Und dann staut sich das natürlich...
00:41:34: Genau, irgendwann explodiert, dann geht der Ding
00:41:36: hoch.
00:41:36: Irgendwann explodiert das Fass.
00:41:37: Und so war das dann in dem Moment wahrscheinlich auch.
00:41:40: Hast du denn das Gefühl gehabt, du hast was falsch gemacht?
00:41:42: Oder hast du die schlecht gefühlt, dass du ihn da in so eine Richtung, sagen wir mal, so hingeschoben hast?
00:41:47: Oder hast du irgendwie relativ schnell erkannt, so?
00:41:49: nee, ich war gar in dem Moment, war ich nicht das Problem?
00:41:52: Ich war nicht das Problem, aber es ist erst später aufgefallen, weil so seine Mama zum Beispiel so gesagt, wenn du nicht jeden Tag für ihn kochst, dann wirst du sehen, dann wird er irgendwann nicht mehr da sein und so.
00:42:00: Und dann dachte ich schon so, oh nein, und ich kann wirklich nicht kochen, ich muss jetzt kochen lernen und dies und das.
00:42:05: Also du hattest diesen ganzen Druck dann auch noch
00:42:07: dazu,
00:42:07: der ja eigentlich total albern ist, ne?
00:42:09: Also es ist ja schwach, dass man einen... Aber eigentlich,
00:42:11: ich konnte nichts richtig machen, weil daran habe ich gemerkt, dass unsere Leben gar nicht zusammengepasst haben.
00:42:15: Weil er hätte sich gerne diese Frau gewünscht, die wirklich nur zu Hause ist.
00:42:18: Er hat sich auch immer gewünscht, dass ich nicht mehr arbeiten gehe.
00:42:20: Wie
00:42:20: alt warst
00:42:21: du da?
00:42:21: Ja, wie alt war ich da?
00:42:22: Zweiundzwanzig,
00:42:23: zweiundzwanzig, genau.
00:42:25: Und er meinte so, ja, wenn du hier bleibst und nicht mehr arbeiten gehst, dann bezahl ich dir ja auch alles und so, dann du musst ja nicht mehr arbeiten.
00:42:32: Du wirst dann auch dafür bezahlt, sozusagen.
00:42:33: Genau,
00:42:33: weil der kauft mir deine Handtaschen und weiß ich was alles und dies und das.
00:42:36: Oh ja, das ist so ein Fußballerding, das machen die ja gerne, ne?
00:42:38: Ja,
00:42:38: und das kann ich ja nicht.
00:42:39: Ich bin ja so eine kleine Abenteuererin, ich will ja gefühlt jede Woche woanders sein.
00:42:43: Du willst ja raus, ne?
00:42:43: Du willst fliegen.
00:42:44: Genau, fliegen, Auto fahren, alles sowas und das hat schon nicht gepasst.
00:42:52: Ich weiß ja nicht, bist du Single jetzt gerade?
00:42:53: Nee,
00:42:54: ganz frisch verliebt
00:42:55: bin.
00:42:55: Nein, ob ich schön.
00:42:58: Und hast du da für dich das Gefühl, du hast da so ein Päckchen mitzunehmen, gerade bei Beziehungsgeschädigt?
00:43:05: Oder sagst du, das mache ich auf jeden Fall anders?
00:43:08: Nee, ich merke das jetzt, weil das ist das erste Mal, dass ich in so einer Beziehung bin, die sich gesund anfühlt und ich suche die ganze Zeit nach einem Haken.
00:43:17: Also du
00:43:18: suchst praktisch wieder danach, da kann was nicht echt sein.
00:43:21: Genau,
00:43:21: das kann jetzt nicht stimmen.
00:43:22: Ich
00:43:22: will keinen Fehler
00:43:22: machen.
00:43:23: Nee, es kann auch nicht stimmen, dass ich jetzt auf einmal Glück habe, weil sonst hatte ich immer Peck.
00:43:26: Aber
00:43:26: warum solltest du kein Glück haben?
00:43:27: Ja,
00:43:27: ich weiß auch nicht, aber das sagt mir in meinen Gehirn.
00:43:29: Ich meine, guck mal in den Spiegel.
00:43:31: Ja, du bist ja wie die Sonne.
00:43:33: Du kommst rein, du bist wie die Sonne.
00:43:35: Und warum solltest du?
00:43:36: Ja, aber
00:43:36: ich merke, dass ich jetzt so eine Angst in mir habe.
00:43:39: Ja, wie lange warst du jetzt single?
00:43:40: dann?
00:43:40: Zwei
00:43:40: Jahre.
00:43:41: Und das geht ja noch, weil ich single bin?
00:43:43: Wie
00:43:43: lange?
00:43:43: Acht
00:43:44: Jahre.
00:43:44: Acht Jahre.
00:43:45: Aber mir begegnet keiner, wo ich sage, wow, alles so Schlaftabletten oder Vollkatastrophen.
00:43:50: Also bist du sehr wählerisch?
00:43:52: Na sagen wir mal, ich bin gar nicht so wählerisch, aber es ist einfach nichts, wo ich denke, das würde sich lohnen.
00:43:57: Klar, ich habe vor zwei Jahren das letzte Mal mit jemanden essen, aber der war lieber auf der Toilette und hat sich sein Näschen gepudert.
00:44:05: Habe ich dann irgendwann festgestellt, ich bin ja dann auch so, ich check das erst mal gar nicht, und das ist null in meine Welt.
00:44:09: Der hat sich zwar immer beim Abendessen, wenn wir unterwegs waren, so gleich mal ein oder zwei Flaschen Beine.
00:44:14: hat man dann mal getrunken.
00:44:16: Und ich trinke ja privat fast gar kein Alkohol.
00:44:18: Also immer noch zu schieben, so Lämbi oder so.
00:44:21: Aber das war dann schon für mich ... Ich dachte, das war Sommer, als wir mal essen waren.
00:44:25: Und dann so ein Weißwand ist ja easy.
00:44:27: Aber der hat dann immer mächtig reingeschüttet.
00:44:28: Und irgendwann hab ich gemerkt, das tut mir gar nicht gut.
00:44:30: Das bin ich einfach nicht.
00:44:32: Und dann ging der immer öfter auf Toilette.
00:44:33: Und dann dachte ich mir, da brauchen wir gar nicht so.
00:44:35: Und dann wurde der auch so agro manchmal so ein bisschen vom Ton.
00:44:38: Oder ist dann zu anderen Leuten, ich geh mal auf Toilette und ist am anderen Tisch, wo dann andere Leute saßen, da stehen geblieben.
00:44:43: Und ich saß da so halbisch und denke mir so, wenn er mich gerade verarscht oder so.
00:44:45: Und dann würde ich lieber alleine, das wird immer Auswahl.
00:44:48: Und ich bin ja nur nur einiges älter.
00:44:50: Und da denke ich mir, da läuft gar kein Scheitertyp rum, wenn ich so bisschen gucke.
00:44:54: Aber du kriegst auch bestimmt viele Angebote, oder nicht?
00:44:56: Ja, mir schreiben schon mal, die sind alle ganz jung.
00:44:58: Also der Junste war jetzt irgendwie neunzwanzig, den wir geschrieben haben, der mich daten will.
00:45:02: Nein.
00:45:03: Aber so im Schnitt zu vierundvierzig.
00:45:06: Aber ich finde das auch zu jung.
00:45:07: Ich bin jetzt, ich bin ein Sechzig.
00:45:09: Weißt du, denk ich so, nee, will ich jetzt auch nicht sagen so.
00:45:11: Aber ich bin auch sehr vorsichtig, das zum Thema, so wie bei dir.
00:45:15: Aber was bringt dir denn mit, wo du sagst, da hat's, das war so ... Oh, das ist irgendwie anders.
00:45:20: Wo hast du das, hast du was gemerkt?
00:45:22: Oder hat er eine Äußerung oder so?
00:45:24: Man sagt ja immer, wie sagt man dazu, wenn man so niedrige Erwartungen hat oder so Sachen, ich freue mich jetzt über so Sachen,
00:45:30: die eigentlich
00:45:31: selbstverständlich sind.
00:45:33: Aber er trägt so meine Tasche, er hält mit die Tür auf so ganz kleine Minisachen.
00:45:38: Also Gentleman.
00:45:38: Ja,
00:45:39: er war bei mir zu Hause und wir haben so gefrühstückt und dann war er so, hast du kein Brotmesser?
00:45:42: Ich so, nee.
00:45:43: Und da kam ich so von der Arbeit nach Hause auf, hat der einen
00:45:45: Brotmesser
00:45:46: gekauft.
00:45:47: Das
00:45:47: ist der Richtige.
00:45:48: Ja,
00:45:49: ganz kleine süße Sachen zum Beispiel.
00:45:51: Hast du die Eltern schon kennengelernt?
00:45:52: Ja, die hab ich schon kennengelernt.
00:45:53: Und wir sind die?
00:45:54: Toll.
00:45:54: Und er ist wirklich ein richtiger Familienmensch, hat auch eine riesige Familie.
00:45:58: Aber das ist ja auch das, was du brauchst.
00:46:00: Da noch mal ein anderes Erleben von einer Familie, das nicht alles so negativ behaftet ist.
00:46:05: Meine Familie ist super kompliziert.
00:46:07: Mit meinem Papa hab ich ein schwieriges Verhältnis gehabt.
00:46:10: Den kennst du, ja?
00:46:10: Den kenn ich, genau.
00:46:11: Und der hat auch gerade richtig ... zu hadern.
00:46:13: Und er hat das Buch auch gelesen und er kommt nicht so gut dabei weg in dem Buch.
00:46:18: Das ist jetzt aber was total Positives geworden, weil wir treffen uns jetzt zum ersten Mal und sprechen über Dinge, wo wir
00:46:24: vorher nie ... Also, da geht das.
00:46:24: Genau,
00:46:25: da geht das.
00:46:26: Und er gibt auch offen und ehrlich zu, dass er jahrelang über Dinge nicht gesprochen hat.
00:46:30: Und jetzt gemerkt hat, dass es mal ... Das
00:46:33: hat sich öffnet auch.
00:46:34: Und wie alt ist der jetzt?
00:46:35: Mein
00:46:35: Papa ist jetzt sechsundfünfzig,
00:46:37: fünfundfünfzig.
00:46:38: Hat der eine andere Familie noch?
00:46:39: Ja, ich hab eine Halbstwester.
00:46:41: Und er ist auch mit dieser Frau schon immer zusammen, also seitdem ich denken kann.
00:46:44: Ja.
00:46:45: Ja.
00:46:46: Und hast du deinen Kontakt auch zu deiner Halbschwester?
00:46:48: Ja.
00:46:49: Und wie ist das für dich?
00:46:50: Eigentlich ganz cool.
00:46:51: Also, so ganz früher konnte ich noch nicht so viel.
00:46:53: Sie sind ja ähnlich?
00:46:53: Ja, voll.
00:46:54: Wir sehen uns richtig ähnlich.
00:46:55: Und sie wünscht sich zum Beispiel auch mehr Kontakt mit mir, was für mich aber ganz lange nicht so möglich war, weil ich ja dann immer mit Papa Kontakt haben musste.
00:47:04: Und das ist auch was, was ich ganz lange, also ich konnte das ganz lange nicht.
00:47:07: Und umso älter ich wurde, umso mehr haben die Fragezeichen in meinem Kopf schon angefangen, weil ich war lange Zeit so, ach, damals, was passiert ist, darüber will ich nicht reden.
00:47:14: passiert und alles gut.
00:47:16: Aber umso älter man wird, da frage ich mich dann schon, warum hat er mich nicht geholt?
00:47:20: Warum hat er mich bei meiner Mama gelassen?
00:47:22: Wann hast du den dann also so klein warst?
00:47:23: Wann ist er dann gegangen?
00:47:25: Oder hattest du dann oder wann hast du...
00:47:27: Meine Mama ist mit mir einfach weggezogen.
00:47:29: Die
00:47:29: ist einfach weggezogen.
00:47:30: Da war ich so, keine Ahnung, so drei.
00:47:33: Also
00:47:33: dann hast du ab ihnen ab da eigentlich gar nicht mehr gesehen.
00:47:35: Genau.
00:47:36: Und ich weiß, er hat mir immer so Pakete geschickt zum Geburtstag und so.
00:47:39: Meine Mama hat die immer direkt an der Tür den Postbroten wieder mitgegeben.
00:47:43: Und woher hast du das erfahren, dass er die Pakete geschickt hat?
00:47:45: Hast du es mitbekommen?
00:47:46: Ich habe es gesehen.
00:47:46: Ja, ich habe es mitbekommen.
00:47:48: Und du hast wahrscheinlich auch gesagt, Mama, ich will das aber haben oder so und gesagt, ne, ist nicht.
00:47:51: Ja.
00:47:52: Ja.
00:47:53: So knallhart.
00:47:54: Das ist aber auch heftig, ne?
00:47:55: Also er hat sich aber trotzdem bemüht anscheinend.
00:47:57: Hat
00:47:57: er genau.
00:47:58: Und ich dachte auch jahrelang, zum Beispiel das schreibe ich auch in meinem Buch, dass er das sorggerecht nicht haben wollte.
00:48:03: Und warum wollte er das nicht?
00:48:05: Oder wollte er das?
00:48:06: Oder wo hat er das nicht bekommen?
00:48:07: Letzte
00:48:07: Woche hat er mir die Anwaltsbriefe gezeigt.
00:48:10: Er wollte
00:48:11: es.
00:48:11: Er wollte es haben.
00:48:12: Nein.
00:48:13: Und ich hab, ja, also mein Leben lang in dieser falschen Information... Da baust
00:48:16: du dir ein ganz falsches Bild von deinem Vater.
00:48:18: Aber wie oft ist das so?
00:48:19: Wie oft ist das so?
00:48:20: Nur weil man nicht redet.
00:48:21: Ja.
00:48:22: Weil man nicht redet und weil man natürlich auch... Ich hab auch eine halb Schwester.
00:48:27: Also ich hab ein paar Parallelen, muss ich echt sagen.
00:48:29: Und auf jeden Fall, ich kann das nachvollziehen, aber sag ich dir auch gleich, aber da musst du überlegen, dein Vater hat eigentlich versucht zu kämpfen, hatte gar keine Chance.
00:48:38: Und du hast dir das Bild von einem Vater aufgebaut, der dich nicht wollte.
00:48:42: Aber wie tragisch ist das, bitte?
00:48:44: Wann kam der Kontakt wieder zustande?
00:48:46: Hast du den gesucht oder hat er versucht dich zu finden?
00:48:50: Er wollte immer Kontakt haben, aber ich hatte diese Vatergefühle nie.
00:48:53: Du
00:48:53: hattest ein anderes Bild und war ein Fremder.
00:48:57: Ich bin nicht warm geworden mit ihm.
00:48:59: Es war cool, wenn ich bei ihm war, aber ich war auch erleichtert.
00:49:02: Ich war schon immer angespannt, wenn ich wieder weg war.
00:49:07: Mit den letzten Jahren ist es immer weniger geworden.
00:49:10: wenn er mich angerufen hat, ich bin nicht dran gegangen und so was.
00:49:12: Weil ich mir immer mehr gefragt habe, warum eigentlich?
00:49:15: Warum hat er mich so
00:49:16: wichtig geblieben?
00:49:18: Warum hat er dir nicht gleich so ein Anwaltsberief gezeigt, dass er das sorgerecht haben will?
00:49:24: Mein Papa hat immer gesagt, ich möchte mit dir irgendwann über alles sprechen und dir das erklären, aber dieses
00:49:28: Gespräch... Aber warum hat er so lange gebraucht?
00:49:30: Das verstehe ich ja auch nicht.
00:49:31: Wahrscheinlich hab ich das von ihm einfach, dass ich
00:49:34: mich traue.
00:49:36: Aber das wäre ja alles viel, viel einfacher für dich gewesen, auch für ihn.
00:49:39: dass es direkt irgendwann mal aufgeklärt hätte.
00:49:41: Und jetzt hast du es erst vor Kurzem erfahren.
00:49:43: Und wie ist es für dich?
00:49:44: Ganz komisch.
00:49:45: Der
00:49:45: bricht ja eigentlich auch eine Welt zusammen, weil das aber eigentlich falsche Bild.
00:49:48: Und meine Mutter hat die ganze Zeit einfach Mist erzählt.
00:49:50: Ja, so was zum Beispiel.
00:49:52: Und ich bin jetzt auch gespannt, was er mir dann so erzählen wird, weil so die Fragezeichen lösen sich ja jetzt nicht komplett auf, weil ich denke mir halt immer noch, du hättest mich rausholen müssen, so.
00:50:00: Weil ich hättest mich mit dieser Frau nicht alleine lassen dürfen, weil er weiß selber, was diese Frau alles gemacht hat, weil sie hat das gleiche mit ihm auch gemacht.
00:50:08: Was war das?
00:50:08: Was hat sie mit ihm gemacht?
00:50:09: Sie hat zum Beispiel in meinem Messer im Bauch gerammt.
00:50:13: Alles so, was er hat mir dann zum Beispiel erzählt.
00:50:15: Das hat er mir jetzt am Telefon erzählt, ist auch eine Geschichte, die ich nicht wusste.
00:50:18: Er ist ins Badezimmer reingekommen und hat gesehen, wie meine Mama mich gerade unter dem Wasser, also in der Bade, wenn er ertränken wollte, so.
00:50:24: Und dann ist er hingegangen und hat sie so weggeschubst und so und haben die sich voll gestritten und dann ist sie wohl runtergerannt.
00:50:29: hat sich auf die Straße gelegt und wollte sich halt überfahren lassen.
00:50:31: Also sie war schon sehr psychisch gestört auch.
00:50:34: Und alles solche Dinge.
00:50:36: Und diese Sachen weiß ich halt alle gar nicht.
00:50:39: Und das dann mit so... Einen und dreißig Jahren bin ich jetzt zu erfahren.
00:50:43: Aber hast du das gewusst mit diesem Erträngen?
00:50:45: Wusstest du das?
00:50:45: Das
00:50:45: wusste ich nicht.
00:50:46: Ich wusste das mit den Messer zum Beispiel.
00:50:48: Das wusste ich aber so ganz viele andere Geschichten.
00:50:50: Aber
00:50:51: wie war das für dich, das dann zu hören, dass deine Mutter abgedruckt
00:50:53: ist?
00:50:53: Also ich wusste direkt, das ist meine Mama.
00:50:54: Also ja.
00:50:56: Für dich hat was sich das direkt bestätigt?
00:50:57: Genau.
00:50:58: Weil
00:50:58: du hast ja da viel viel Schaden auch davon getragen.
00:51:00: Sie hat ähnliche Sachen mit mir gemacht, wo ich schon also das bewusst auch wahrgenommen habe.
00:51:04: Ja.
00:51:05: Und da wusste ich direkt, okay, der denkt sich das nicht aus.
00:51:08: Und deswegen kann ich vielleicht auch verstehen, warum er so Angst vor meiner Mama hatte.
00:51:13: Aber ich meine, der hat einen Messer in Bauch gekriegt.
00:51:15: Er hat eine Anzeige erstattet.
00:51:16: Nee,
00:51:17: meine Mama hat immer alle so krass erpresst und hat gesagt, wenn ihr irgendwas sagt, dann seht ihr Betty nie wieder.
00:51:22: Und das war, ich war so ihr Druckmittel.
00:51:24: Und natürlich hatten meine Großeltern, meine Tante, mein Papa hatten schon Angst um mich und haben dann gesagt, okay, dann nehmen wir das lieber einen Kauf, aber wir wissen wenigstens, wie es Betty geht und so.
00:51:44: Wie bist du denn aus dem Ganzen rausgekommen?
00:51:45: oder wie bist du ins Heim gekommen?
00:51:47: Eigentlich nur, weil ich jahrelang geschrien habe.
00:51:50: Also ich bin ja erst mit neun Jahren quasi meiner Mama weggenommen worden.
00:51:52: Mit
00:51:53: neun Jahren erst?
00:51:53: Also ich
00:51:54: musste das neun Jahre aushalten.
00:51:56: Und da war ein Sachen bei sie ist, also sie hat mich aus Bett geschubst.
00:52:00: Das ist ein Trauma an, das ich mich richtig gut erinnere.
00:52:03: Er hat sich so auf mich draufgekniet und mit so den größten Küchenmesser, was wir hatten, hat sie immer neben mir in die Matratzei gestochen.
00:52:08: Also so ein Stück neben meinem Kopf und so.
00:52:10: Und da dachte ich das erste Mal als Kind, z.B.
00:52:12: ich werde jetzt sterben.
00:52:14: Und sie hat auch ganz oft gesagt, dass sie uns zusammen umbringt.
00:52:16: Sie hat mich ins Auto gezehrt.
00:52:19: Das habe ich gelesen, mit solchen Gegengefahren.
00:52:23: Wenn wir ein Baum uns entgegen kam, hat sie kurz auf den Baum gelenkt.
00:52:26: Und ich habe natürlich geheult und geschrien.
00:52:29: Und natürlich hat sie mich jeden Tag geschlagen.
00:52:32: Und ich habe halt geschrien und geweint.
00:52:33: Und irgendwann haben die Nachbarn immer die Polizei gerufen oder das Jugendamt informiert.
00:52:37: Und irgendwann waren die uns auch auf der Spur.
00:52:40: Aber meine Mama ist dann immer mit mir umgezogen.
00:52:42: Weil das Jugendamt in Deutschland, das arbeitet ja nicht übergreifend.
00:52:46: Nicht so schnell.
00:52:47: Und die sind natürlich dann auch, das dauert ewig für uns.
00:52:50: Wir sind in Baden-Württemberg nach Berlin gezogen.
00:52:51: Ihr seid dann in ein anderes Bundesland gezogen.
00:52:53: Und dann
00:52:54: war okay, die sind weg.
00:52:55: Also können wir nix mehr machen.
00:52:56: So.
00:52:56: Und da wurde kein Telefonhörer genommen und gesagt, ich glaube, da ist jemand bei euch in Berlin, wo ihr mal ein Auge draufgucken soll.
00:53:02: Also die waren nicht miteinander sozusagen verletzt.
00:53:03: Das ist
00:53:04: auch immer noch nicht so.
00:53:06: Ganz komisch,
00:53:06: ne?
00:53:07: Also was würdest du jetzt... Also es gibt ja viele Schicksale in dieser Richtung.
00:53:13: Was kannst du denn jetzt kindern, die jetzt vielleicht... oder was kann man machen?
00:53:16: Oder was...
00:53:17: Ich glaube Aufklärung ist das Ding.
00:53:19: Mir hätte es geholfen, wenn ich in der Schule darüber was gelernt hätte.
00:53:22: Wenn jemand gesagt hätte, guck mal, es gibt solche Eltern.
00:53:25: Und manche Eltern sind nicht so, wie Eltern sein sollten.
00:53:28: Zum Beispiel die trinken viel mehr Alkohol.
00:53:30: Die
00:53:30: gewöhnen sich dran, Kinder gewöhnen sich schnell.
00:53:32: Für mich war
00:53:32: das immer normal.
00:53:33: Ich dachte, das ist normal, dass Eltern, also dass Mamas so sind.
00:53:37: Ich hatte ja keinen Vergleich.
00:53:39: Hätte mir jemand gesagt, das ist nicht normal.
00:53:42: Wenn das so ist bei euch zu Hause, dann kannst du mir das sagen, hätte ich mich jemandem anvertraut.
00:53:46: Aber ich wusste das nicht.
00:53:47: Ich finde das bewundernswert.
00:53:48: oder jetzt auch so frei reden kannst und so.
00:53:50: Aber es hat
00:53:51: auch lange gedauert, weil ich hab mich auch beschämt.
00:53:53: Bis.
00:53:54: vor zwei Jahren nicht mal ausgesprochen, dass meine Mama Alkoholikerin war, weil ich mich dafür geschämt habe.
00:53:58: Und das war ja auch noch eine hübsche Mama, wo man dann auch nicht nach außen denkt, dass das so abgelaufen
00:54:04: ist.
00:54:04: Man hat so Vorurteile.
00:54:05: Wenn ich mir so ein Alkoholiker vorstelle, stelle ich mir auch so einen ungepflegten Pedder vor, der da den ganzen Tag Bier solft.
00:54:12: oder keine Ahnung, was meine Mama war, genau das Gegenteil.
00:54:14: Die hat immer noch als Hebamme gearbeitet, war super.
00:54:16: Hebamme
00:54:17: war sie auch noch.
00:54:19: Und dann hat sie dann da was getrunken?
00:54:21: Oder war das ...?
00:54:22: Also, am Ende schon.
00:54:23: Und am Ende irgendwann konnte sie den Job dann auch nicht mehr machen.
00:54:26: Aber das war irgendwie immer noch das Einzige, was sie so auf Spur gehalten hat.
00:54:29: Dieser
00:54:30: Job.
00:54:30: Also, sie hat praktisch ein neues Leben geschenkt und hat aber zu Hause eigentlich Leben kaputt gemacht.
00:54:35: Und sie wurde von allen als die liebevollste Kollegin, die empathischste Frau beschrieben.
00:54:39: Und so, aber die hatte so krass zwei Gesichter einfach.
00:54:42: Und wie war denn ... Deine Oma hat ja da so nicht drüber gesprochen.
00:54:47: Aber was meinst du denn, warum deine Mutter so kaputt war?
00:54:49: Durch was kam es?
00:54:50: Hat sie Erlebnisse gehabt?
00:54:51: Oder ist hier irgendwas in den Jungjahren passiert?
00:54:54: Ihr Vater war auch so.
00:54:56: Also dein Opa eigentlich?
00:54:57: Genau,
00:54:58: also das ist nicht mein leiblicher Opa, mit dem ich groß geworden bin.
00:55:01: Ah, okay.
00:55:02: Da gab es eigentlich noch meinen richtigen Opa.
00:55:04: Und der war auch Alkoholiker und hat den auch als Kinder das Leben zur Hölle gemacht.
00:55:09: Und deine Oma hat das praktisch auch erlebt?
00:55:10: Ja, genau.
00:55:11: Dann weiß aber jetzt auch warum ... Sie da nicht drüber sprechen, weil sie eigentlich den ganzen Scheiß selber durchgemacht
00:55:18: hat.
00:55:19: Meine Oma ist auch wirklich, die tut mir so leid.
00:55:21: Ich kenne keine Frau, die so stark ist wie meine Oma, weil die hat so viel Scheiß in ihrem Leben durchgemacht.
00:55:24: Aber auch mit ihrer eigenen Familie und so.
00:55:26: Hast
00:55:26: du ihr das so mal gesagt?
00:55:28: Ja, und die kann das nicht annehmen.
00:55:30: Dieses Jahr hab ich ihr das... Aber du könntest
00:55:31: doch auch vieles nicht annehmen.
00:55:33: Ja, das stimmt.
00:55:35: Aber ich hab zum Beispiel gesagt, Oma, ich wollte dir sagen, du bist die stärkste Frau, die ich kenne, und ich bin richtig stolz auf dich, hab ich ihr gesagt.
00:55:40: Und da meinte sie so, ach.
00:55:42: So besonders ist das gar nicht.
00:55:45: Aber weil sie auch wahrscheinlich nie eine Bestätigung bekommen hat.
00:55:48: Wie bei dir.
00:55:49: Das ist ja eigentlich total ein Kreis auf, was ja eigentlich total traurig ist.
00:55:52: Dass sie eigentlich jetzt die Möglichkeit geben könnte, dir eine Bestätigung zu geben.
00:55:56: Und du gibst ihr eine Bestätigung und sie kann es gar nicht annehmen.
00:55:58: Und sie ist Sechsundsiebzig und kann damit gar nicht umgehen.
00:56:01: Stell dir mal vor, du hättest das jetzt so gemacht, wie sie immer die Schublade zu, denn wirst du im Alter ja auch so.
00:56:06: Und irgendwann ist man dann auch vielleicht auch total einsam.
00:56:09: Vielleicht sehe
00:56:09: ich das auch manchmal nicht.
00:56:11: Weil ich bin dann oft, wie du vorhin schon gesagt hast, so, es macht mich dann so wütend.
00:56:15: Aber vielleicht muss ich mich manchmal daran erinnern, was die eigentlich viele Schublade in ihrem Regal hat.
00:56:20: Ja, und wahrscheinlich, also mit Sicherheit auch einige mehr.
00:56:23: Und vielleicht sollte man mit so einer kleinen Schublade, die nicht so schlimm ist, mal anfangen, die aufzumachen bei ihr.
00:56:31: Oder spazieren und sagen, immer, komm, wir gehen das mal hier mit Jumper, gehen wir mal eine Runde spazieren und ich will immer was erzählen.
00:56:36: So, jetzt erzähle ich dir kurz die Geschichte von meiner Hype-Schwester.
00:56:39: Also ich wusste immer schon, es gibt eine Hype-Schwester.
00:56:42: Also mein Vater hat ja sehr offen darüber gesprochen, die ist älter als ich.
00:56:45: Und drei Jahre, glaube ich, sind das.
00:56:47: Und ja, irgendwann klingelt über meine Eltern das Telefon und dann rief meine Schwester an und sagt, ja, hallo, hier ist die Judith.
00:56:54: Ich würde gerne mal meinen Papa sprechen.
00:56:56: So.
00:56:57: Und meine Mutter so, ja, kein Problem.
00:56:59: Das war so.
00:57:00: Ja.
00:57:01: Ich war sie da.
00:57:02: Und ja, das auch durch Zufall erfahren.
00:57:04: Das durch Zufall, durch Unterlagen.
00:57:06: Und auch immer so gedacht, ich seh meinen Geschwistern gar nicht ähnlich.
00:57:09: Da wurde ihm auch nicht gesagt, sie hatte einen Stiefpapa und dann auch solche Sachen.
00:57:14: Und es ist natürlich klar, als mein Papa dann gestorben ist, ich war auch dabei, als mein Vater gestorben.
00:57:19: Deshalb haben wir so gewisse Parallelen.
00:57:21: Ich krieg auch die Bilder nicht aus dem Kopf von meinem Papa.
00:57:24: Da hat
00:57:24: mir übrigens Traumotherapie geholfen.
00:57:26: Ja.
00:57:27: Das ist eine gute Sache.
00:57:29: Bei ihm war er sehr krank.
00:57:30: Ich war dann an seinem Bett, als er eingeschlafen ist.
00:57:33: Aber der war das eben auch so.
00:57:36: Wir hatten dann immer, klar, wir haben dann geschrieben und haben es aber nie geschafft, uns zu sehen.
00:57:39: Und als die Beerdigung war von meinem Vater, ist sie gekommen.
00:57:42: Und dann stand sie vor mir und sah aus wie mein Vater.
00:57:44: Das war für mich ein totaler Schock.
00:57:45: Das war bei mir mit meiner Tante so.
00:57:46: Die sieht original aus wie meine Mama.
00:57:49: Das war so die Augen.
00:57:50: Und mein Schwester ist auch größer als ich.
00:57:52: Und mein Vater war ja eben so eine Kante.
00:57:54: Und mein Schwester ist auch so... und ist eine ganz tolle Frau.
00:57:57: Und die musste dann auch erst mal verarbeiten.
00:58:02: Also es kam ja auch bei ihr ausm Nichts.
00:58:03: Und deshalb sind da auch so Parallelen so.
00:58:05: Wenn du dann so ein Ding erfährst, wie deine Oma vielleicht, dass sie adoptiert wurde bei meiner... Schwester war das ja genau das Gleiche aus dem Nichts.
00:58:11: Und da musste ich natürlich viele Sachen erzählen, wie mein Papa dann auch war.
00:58:16: Und das war für mich aber unheimlich schwer, war gerade gestorben.
00:58:19: Und dann sollte ich mal mein Vater Dinge erzählen.
00:58:21: Ich konnte das auch gar nicht.
00:58:22: Und natürlich haben wir jetzt nicht das Verhältnis von... Wir sind zusammen groß geworden, das ist meine Schwester, aber sie ist meine Schwester und wir schreiben und manchmal schreiben wir länger nicht und dann schreiben wir und dann sehen wir uns wieder und solche Sachen.
00:58:36: Aber ich finde es so schade, dass wir so diese ganzen Jahre verpasst haben.
00:58:40: Deshalb meine ich eben auch mit deiner Schwester.
00:58:42: Es ist ungewohnt, manchmal hat man eine größere Nähe zu einer guten Freundin, weil man die, also meine längste Freundin kenne ich jetzt seit fünfzig Jahren, aber so, dass man, weil man miteinander groß geworden ist, und jetzt hast du so eine Schwester.
00:58:57: Ich weiß, dass meine Schwester sich schon sehr wünschen würde, auch wenn wir uns viel öfter sehen würden, weil sie wohnt ganz woanders.
00:59:02: Und das ist gar nicht so einfach, die wohnt in Koblenz da.
00:59:05: Da komme ich mal eben nicht so hin.
00:59:06: So, ne?
00:59:07: Deshalb glaube ich, wird er schon schön, wenn man versucht sich seiner Schwester da auch, die du ja eigentlich auch hast.
00:59:12: bisschen anzunieren.
00:59:13: Vielleicht hat man Parallelen vielleicht auch nicht.
00:59:15: Ja,
00:59:15: vielleicht jetzt durch das klärende Gespräch mit meinem Papa.
00:59:18: Dass da auch so, ja, dass da auch so, dass das vielleicht ein bisschen weicher wird, alles.
00:59:23: Und dass du dich da ihm gegenüber auch mehr öffnest, weil eigentlich ist es ja trotzdem toll, dass er sich bemüht hat, da irgendwie dich daraus zu holen.
00:59:31: Und wenn dann jemand da ist, wie deine Mama, die vielleicht gut manipulieren konnte und nach außen alles super war, hat er vielleicht mehr auch gelitten, als man denkt.
00:59:39: Das stimmt.
00:59:40: Das glaube ich nämlich auch.
00:59:46: Was ist dein Lieblingstag?
00:59:48: Mein Lieblingstag, Halloween.
00:59:50: Dein Lieblingstag ist Halloween.
00:59:51: Und welcher Lieblingstag ist
00:59:52: er?
00:59:52: In der Woche, meinst du.
00:59:53: Ja.
00:59:54: Ich bin schon so... Da bin ich richtig deutsch, sage ich dir.
00:59:56: Ehrlich, Sonntag ist mein Tag.
00:59:58: Meine auch!
00:59:59: Meine auch!
01:00:00: Ich will auch nicht, dass mich Sonntag jemand anruft oder so.
01:00:02: Ja, genau.
01:00:02: Sonntag ist mein Tag.
01:00:04: Ich weiß,
01:00:04: warum es bei mir der Sonntag ist.
01:00:05: Also ich habe auch so eine Spieße gesagt.
01:00:07: Der Sonntag ist bei mir keiner klingelt.
01:00:09: Ja.
01:00:09: Es kommt.
01:00:10: Kein fucking Paket an, das kennt er, ich muss mal was posten oder so.
01:00:14: Es kommt kein Paket an, es klingelt keiner.
01:00:16: Das beruhigt mich auch ein bisschen, weil ich mir denke, die anderen sind Sonntags auch ein bisschen dammt schön.
01:00:20: Und ich will
01:00:20: einfach Sonntag, ich will einfach liegen oder rausgehen.
01:00:24: Ich mag das einfach so richtig, spieße ich Tee trinken.
01:00:26: Ich bin auch so eine Kaffeetante.
01:00:28: Ich liebe Kaffee und Poten.
01:00:29: Und Sonntag ist für mich so, das ist mein Tag.
01:00:33: Da weiß ich, da passiert einfach nichts.
01:00:34: Keiner ruft an und sagt, ey, pass mal auf, ich hab da eine Anfrage für dich oder so.
01:00:38: Sonntag ist mir heilig.
01:00:39: Wollen wir uns Sonntags mal treffen mit Jumperspatien?
01:00:41: Ja,
01:00:41: und Kuchen essen.
01:00:42: Ja, und
01:00:42: Kuchen essen, das machen wir.
01:00:44: Also, es hat mich sehr gefreut.
01:00:46: Das war ein tolles Gespräch und du hast so viele Schubladen aufgemacht.
01:00:49: Ich bin jetzt wirklich sehr stolz auf dich.
01:00:52: Danke.
01:00:53: Und ich hoffe, dass wir uns ganz bald wiedersehen.
01:00:56: Wie ich euch das schon gesagt hatte, es war ein sehr emotionales Gespräch.
01:00:59: Es hat mich sehr berührt und ich bin dankbar, dass Betty sich so mir gegenüber geöffnet hat.
01:01:04: Und ja, nächsten Donnerstag geht es weiter mit einem männlichen Gast, Sebastian Tigges.
01:01:09: Mal gucken, was der zu erzählen hat, ob das auch so emotional wird oder in eine ganz andere Richtung geht.
01:01:14: Ich glaube, dass die gefühlten Anforderungen gestiegen sind, dass jetzt alle Paare, junge Kinder, die wollen alle Karriere machen, die wollen aber auch perfekte Eltern sein.
01:01:23: Ich hab das nur so erlebt bei uns.
01:01:25: Wir wollten beide Karriere machen, aber beide auch zu gleichen Teilen mit unseren Kindern verbringen.
01:01:30: Und irgendwie hat es nicht funktioniert.
01:01:32: So mal die Lieben, das war es wieder für heute und ich würde mich freuen, wenn ihr nächsten Donnerstag wieder dabei seid.
01:01:37: Da wo es Podcast gibt und natürlich könnt ihr mich auch sehen und meinen Gast auf YouTube und fünf Sterne verteilen bitte.
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